Edouard Manets elegante Welt

Ausstellung in Wuppertal

Zu den Impressionisten wollte Manet nie gehören. Die waren ihm zu rebellisch. Er sah sich als Bürger. Trotzdem dürften seine Bilder Hunderttausende nach Wuppertal locken.

WUPPERTAL

von Von Bettina Jäger

, 25.10.2017, 15:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Edouard Manets elegante Welt

Die „Reiterin“ malte Édouard Manet um 1882. Foto Museo Thyssen-Bornemisza/Madrid

Es ist die wichtigste Ausstellung des Herbstes in unserer Region. Das Von der Heydt-Museum rüstet sich für Hunderttausende von Besuchern. Über 1000 Führungen sind bereits gebucht. Ganz Wuppertal hat schon die knallgelben Museumsfahnen aufgezogen.

Unter dem schlichten Titel „Édouard Manet“ sind ab Dienstag 45 Gemälde des Meistermalers zu sehen. Mehr hatten auch die Manet-Ausstellungen der Hamburger Kunsthalle anno 2016 und der Stuttgarter Staatsgalerie im Jahr 2002 nicht zu bieten. Die Idee zur Wuppertaler Ausstellung hatte der Unternehmer Heinz-Olof Brennscheidt, dessen Stiftung die Schau nun maßgeblich mitfinanziert hat.

Aber ehrlicherweise muss man sagen: Die ganz großen Hits fehlen in Wuppertal. Manets „Nana“ in Spitzenunterwäsche oder seine „Bar in den Folies Bergère“ sind Ikonen der Kunstgeschichte. So etwas schicken Museen nicht auf Reisen. Manets berühmteste Arbeiten – das „Frühstück im Grünen“ und die „Olympia“ sorgten 1863 für Skandale – sind immerhin als Reproduktionen zu sehen.

Der Künstler als Demokrat

Ein Manko? Zum Teil, aber Museumsdirektor Gerhard Finckh bügelt es durch eine edle Präsentation vor pastellfarbenen Wänden und ein überraschend aktuelles Konzept wieder aus. „In einer Zeit, in der bürgerlichen Freiheiten in Gefahr sind, sei es in den USA oder in der Türkei, zeigen wir einen Künstler, der sich für diese bürgerliche Freiheiten einsetzte“, sagt Finckh. Diese politische Haltung Manets, der sich als Demokrat verstand, verfolgt die Ausstellung bis tief in die Werke hinein. So präsentiert ein Tabernakel eine Briefkarte des Künstlers mit der Aufschrift „Vive la République“. 1867 malte er die Erschießung des Kaiser Maximilian von Mexiko und kritisierte damit jenes politische Desaster, das der französische Kaiser Napoleon III. durch seine Einmischung dort angerichtet hatte. Der Zensur passte das nicht, Manets Lithografie durfte in Frankreich nicht gezeigt werden.

So unmittelbar und persönlich tritt uns Manet an vielen Stellen entgegen. Das macht die Ausstellung attraktiv und sympathisch. Ein Original-Exemplar seiner Visitenkarte stellt uns einen piekfeinen Herrn mit prächtigem Bart vor. Er ging stets perfekt gekleidet aus dem Haus – nie ohne seine Krawatte, Handschuhe und ein tailliertes Jackett. „Die Spaziergänger sahen sich neugierig nach dem elegant gekleideten Maler um, der (...) mit einer Ruhe malte, als ob er in seinem Atelier wäre“, schrieb sein Freund Marcel Proust.

Der 1832 in Paris geborene Manet war eng mit den Impressionisten Degas, Renoir und Monet befreundet, deren Meisterwerke die seinen in Wuppertal aufs Schönste ergänzen. Doch zu diesen Rebellen wollte Manet nicht gehören. Als Bürger aus reichem Hause wollte er sich dort durchsetzen, wo das Bürgertum flanierte und diskutierte – im alljährlichen Pariser „Salon“.

Nichtsdestotrotz beweisen Gemälde, die Museumsdirektor Finckh klug einander gegenübergestellt hat, wie sehr die Impressionisten Manets Arbeitsweise beeinflussten. Malte sein Freund Otto Schloderer noch einem toten Hasen Haar für Haar ein weiches Fell, so genügten Manet eine Handvoll dicker Pinselstriche, um zum Kern der Dinge vorzudringen.

Motive mit viel Stimmung

Kurz danach kommt Raum Nummer 11 – und da sind sie endlich, die Motive voller Eleganz und Sommerstimmung, auf die der Kunstfreund gewartet hat: die Dame mit Fächer (1862), die „Krocketpartie“ (1873) auf grünen Rasen, das Paar im Gartenlokal „Beim Père Lathuille“ (1879) und die Gartenbilder, die Manet kurz vor seinem frühen Tod 1883 malte. Sie entdecken die Leichtigkeit, zeigen ein sorgenfreies bürgerliches Leben wie im Traum. Wem kunsthistorische Konzepte wurscht sind, der wird hier mit einem Schlag glücklich gemacht. Allein für diese Bilder lohnt sich nämlich die Anreise.