Ehemalige Bochumer Schauspieler überzeugen an alter Wirkungsstätte

"Hautnah" in Bochum

BOCHUM Als wären sie nie weg gewesen, eroberten sie sich ihre alte Wirkungsstätte in Windeseile zurück: Claude de Demo, Sandra Gerling, Sascha Nathan und Marc Oliver Schulze hat es von Bochum ans Schauspiel Frankfurt gezogen. Mit Patrick Marbers "Hautnah" feierten sie nun eine fulminante Rückkehr.

von Von Max Florian Kühlem

, 08.11.2009, 14:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
Claude De Demo als Anna und Marc Oliver Schulze als Dan im Marber-Stück "Hautnah" im Bochumer Schauspielhaus.

Claude De Demo als Anna und Marc Oliver Schulze als Dan im Marber-Stück "Hautnah" im Bochumer Schauspielhaus.

Christoph Mehlers Inszenierung gibt den Darstellern allen Raum, zu glänzen. Das Stück von 1997 kommt als reduziertes Schauspieler-Theater daher. Mit allem nötigen Zynismus, schmutzigem Witz und unglaublich hohem Tempo. Ein fahlgrauer Guckkasten (Ausstattung: Nehle Balkhausen) bildet das Umfeld für die entleerten Seelenlandschaften der Protagonisten. Atemlos rennen sie der Liebe hinterher, würden gern an sie glauben, doch können es nicht. Sie finden sich wieder in einer Spirale aus Verliebtheit, kurzem Glück, Betrug und haltlosem Schmerz.

Die harten (Zeit-)Schnitte, der über mehrere Jahre erzählten Geschichte, markieren in den Kammerspielen völlige Dunkelheit und ohrenbetäubende Drum'n'Bass-Beats. Dazu werfen sich die vier Schauspieler in neuen Konstellationen in den Raum und ihre Rollen. Mittdreißiger genial verkörpert Der Zuschauer realisiert schmerzlich, wen man da eigentlich ziehen ließ: Sascha Nathan spielt wieder einmal sein riesiges komödiantisches Talent aus, kann aber genauso die ungezähmten Urgewalten des "Höhlenmenschen" Larry über die Bühne grollen lassen. Marc Oliver Schulze geht voll auf in der Rolle, die er in Bochum zuletzt in Ewald Palmetshofers "wohnen. unter glas" so genial verkörpert hat: die des desillusionierten Mittdreißigers, der voll verbitterter Ironie tragisch am Leben scheitert. Sandra Gerling versieht die Stripperin Alice mit der bröckelnden Fassade des süßen Mädchens und spielt das, was dahinter liegt, stets mit. Und auch Claude De Demo gefällt in dieser kühl distanzierten Art, mit der sich ihre Anna mal als Spielball, mal als Spielführerin der Männer zu beobachten scheint. Großer Applaus für eine unbedingt sehenswerte Inszenierung.

  • Termine: 9.11., 9., 14., 16.12.; Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55.
  • www.schauspielhaus-bochum.de
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