Ehrung für einen, der sich quer stellt

Peter-Weiss-Preis

Der Schriftsteller Ulrich Peltzer ist ein Verfechter einer Kunst, die sich quer stellt, die Fragen aufwirft - auch Politik und Gesellschaft betreffend. "Das Recht der Kunst geht nie auf in einen Auftrag, sie ist nie nur bestätigend", sagte er am Dienstagabend im Schauspielhaus Bochum, wo er den mit 15000 Euro dotierten Peter-Weiss-Preis entgegennahm.

BOCHUM

, 16.03.2016, 15:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ulrich Peltzer bei der Preisverleihung

Ulrich Peltzer bei der Preisverleihung

Der Peter-Weiss-Preis ist der wichtigste Kulturpreis der Stadt Bochum und wird seit 1990 alle zwei Jahre in den Sparten Theater, Literatur, Film oder Bildende Kunst vergeben. "Er ist ein Preis, der Trends setzt", sagte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) auf der Verleihung. Und begründete das damit, dass Elfriede Jelinek ihn bereits 1994 erhielt - noch vor dem Literaturnobelpreis.

Humanistisches Engagement

Mit seinem Werk führe Ulrich Peltzer das humanistische Engagement, für das das Gesamtwerk von Peter Weiss beispielhaft stehe, fort, befand die Jury um die Journalistin Bettina Böttinger. Der 1956 in Krefeld geborene Autor setze "Literatur als Erkenntnismittel, als Forschungs- und Aufklärungsinstrument zur Durchdringung der komplexen zeitgenössischen Wirklichkeit ein."

"Peltzer verortet seine Protagonisten immer sozial genau", erklärte der Literaturkritiker Helmut Böttiger in seiner Laudatio. "Der Leser erfährt, wie sie ihr Geld verdienen. Gelegentlich denken sie über ihre Miete nach." In Romanen jüngerer Autoren habe man hingegen oft das Gefühl, alle Protagonisten hätten von ihren Eltern eine Eigentumswohnung erhalten.

Genuss einer Lesung

"Peltzers aktueller Roman "Das bessere Leben" bewegt sich auf einsamer Höhe", befand der Laudator. Der Autor bescherte dem Publikum im oberen Theater-Foyer den Genuss einer Lesung daraus.

Schon im kurzen Ausschnitt, der von einem Hotelaufenthalt seines Protagonisten Fleming erzählt, bekam man einen starken Eindruck einer gehaltvollen, vielstimmigen Prosa, deren lange Sätze einen hypnotischen Sound entfalten, der an William Faulkner oder James Joyce erinnert. Sie hebt mühelos die Grenzen von Zeit und Raum auf und kreist um einen erzählerischen Kern: Das Kent-State-Massaker bei einer Anti-Vietnamkriegs-Demonstration in Ohio. 

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