Ein Dorf als Kunstwerk

Ruhrtriennale

Eine riesige Bauernscheune, ein Wohnwagen, kleine Hütten – wer während der Ruhrtriennale die Jahrhunderthalle Bochum besucht, kann sich dort ein bisschen wie im Wilden Westen fühlen. Ein Kunstdorf des Ateliers Van Lieshout macht das möglich.

BOCHUM

, 27.07.2015, 16:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Dorf als Kunstwerk

Der „Domestikator“ genannte Wohnturm ist Teil der Großskulptur, die das Atelier Van Lieshout derzeit vor der Bochumer Jahrhunderthalle aufbaut.

„Es ist der Versuch, europaweit zusammenzuarbeiten“, sagt Frits Nieuwland, der als technischer Projektleiter für den Aufbau der Großskulptur verantwortlich ist. Geplant vom niederländischen Atelier Van Lieshout und in Rotterdam vorgefertigt, wird das Kunstwerk erst vor Ort in Bochum zusammengesetzt – und das ist eine Herausforderung, denn schließlich sollen einzelne Teile während der Ruhrtriennale als Veranstaltungsräume genutzt werden. So wie etwa das Refektorium, das an eine Bauernscheune erinnernde Zentralgebäude.

„Hier wird es Kinovorstellungen, aber auch täglichen Barbetrieb und Konzerte geben“, sagt der Projektleiter. „Deshalb müssen wir auf die deutschen Bauvorschriften achten, die anders sind als in den Niederlanden.“

Tücken des Baurechts

Doch die Zusammenarbeit zwischen niederländischen Technikern und deutschen Ämtern sei bisher problemlos verlaufen – auch wenn die Gäste aus dem Ausland über manche Tücke des deutschen Baurechts verwundert sind: So steht neben dem „Refektorium“ der sogenannte „Domestikator“, ein verschachtelter Turm, in dem Künstler übernachten können.

„Der gilt als Hochbau. Ihn direkt mit einem Veranstaltungsgebäude verbinden zu können, ist im deutschen Baurecht nicht vorgesehen“, sagt Nieuwland, gibt sich aber zuversichtlich, dass das Gebäude pünktlich zum Triennaleauftakt abgenommen ist: „Jeder versucht, das hier möglich zu machen.“

Entstanden ist das Kunstdorf auf eine Initiative von Triennale-Intendant Johan Simons. Der ebenfalls aus den Niederlanden stammende Regisseur wollte damit vor allem weitere Übernachtungsmöglichkeiten für Künstler schaffen, wo diese auch in den Nachtstunden üben könnten, sagt Triennale-Sprecherin Dijana Tanasic.

Kostenfreie Veranstaltungen 

Entstanden ist nun ein Raum, der mit Werkstattgesprächen und zahlreichen kostenfreien Veranstaltungen locken soll – und das drei Jahre lang, denn nach Ende der Spielzeit wird das Gebäude eingelagert und soll zur nächsten Triennale 2016 erneut aufgebaut werden. 

Eröffnet wird das Kunstdorf am 15. August um 18 Uhr.

Die geplante „Bikini-Bar“ wird nun doch nicht in Bochum realisiert; die Künstler haben ihr Konzept geändert. Stattdessen kommt „The Heads, Claudia & Hermann“ – zwei große Köpfe. Weitere Installationen vor der Jahrhunderthalle sind: „The Good, the Bad and the Ugly“ (die größte Installation vom Atelier Van Lieshout), die „BarRectum“ (ein begehbares Enddarmstück), „Caretaker“ und „Farm- house“.