Ein Faustschlag in die Visage des Kapitalismus

"The Big Short"

Eine Außenseiterbande wittert die Finanzkrise - und plant den ganz großen Coup. "The Big Short" erzählt von gierigen Bankern und vom amerikanischen Finanzsystem, das 2008 in sich zusammenfiel. Antworten gibt es auch auf die Frage, wer an der ganzen Krise Schuld trägt.

19.01.2016, 15:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Faustschlag in die Visage des Kapitalismus

Ben Rickert (Brad Pitt) gehört zu einer Gruppe, die gegen das Finanzsystem wettet.

Als 2008 das Finanzsystem der USA wie ein Kartenhaus zusammen fiel, rätselten viele, wie es dazu kam. Schuld sei die Blase im Immobiliensektor, hieß es. Doch wie funktioniert das Kreditwesen? Wer trägt verdammt nochmal die Schuld am großen Kollaps?

Fragen, die ausgerechnet eine Hollywood-Komödie beantwortet, "The Big Short" von Adam McKay. Ein cleverer, witziger, bissiger Film, der glänzend unterhält und dabei Aufklärung betreibt: Der seltene Fall von "Bildungskino". Nicht angestrengt oder verkopft, sondern lässig erzählt. Nach wahren Begebenheiten, die in einem Sachbuch von Michael Lewis zu lesen sind.

Spürnasen wittern Krise

"The Big Short" stellt eine Riege von Spürnasen vor, die die Krise witterten und auf fallende Kurse spekulierten. Als der Kollaps kam, waren die Herren über Nacht steinreich. Christian Bale (köstlich) spielt den Fonds-Manager Burry, der als erster das Kreditwesen unter die Lupe nimmt.

Er sieht, dass Banken faule Kredite neu verpacken und als gesunde Anlage verkaufen. Burry schneidert sich ein Geschäftsmodell, das auf das Platzen der Blase baut. Die Banker lachen sich ins Fäustchen und nicken das Geschäft ab. Welch ein Idiot! Burrys Geldgeber gehen auf die Barrikaden, er lässt sich nicht beirren. Sitzt barfuß in seinem Büro, hört Death Metal und wartet auf das Unvermeidliche.

Gegen die Banken

Ein Trader der Deutschen Bank (Ryan Gosling) hat den gleichen Riecher und überzeugt die Truppe des Maklers Mark Baum (Steve Carell), gegen die Banken zu investieren. Zwei Selfmade-Spekulanten und ein Ex-Börsianer (Brad Pitt) springen auch auf den Zug.

Man könnte den Film für eine Satire halten, zeigte er nicht die Wahrheit, ein System aus Gier, Betrug, Kungelei. Rating-Agenturen und Finanzaufsicht mischen kräftig mit. "The Big Short" ist ein Faustschlag in die Visage des Kapitalismus. Anhand von Bauklötzen, Kochrezepten, Pokerkarten erklärt er, wie die Großen zocken und der kleine Mann am Ende noch die Zeche zahlt. Gute Darsteller, spritzig in Szene gesetzt in einer bitterbösen, entlarvenden Revue. Schön, dass Hollywood nicht nur Blabla-Unterhaltung kann! kub