Ein Film aus Reken feiert nach über 50 Jahren Premiere

Das Dorf in der Heide

Happy-End für eine Film-Rarität. Im Jahr 1956 wurde in Reken im Münsterland ein Heimatfilm gedreht, doch bevor er in die Kinos kommen konnte, ging die Produktionsfirma pleite. Das Material galt als verschollen, bis Anton Heilken aus Reken es wiederfand und zusammen mit dem Lüner Kinofestleiter Mike Wiedemann dafür sorgte, dass der unvollendete Film doch auf die Leinwand kam.

LÜNEN/REKEN

von Von Beate Rottgardt

, 24.11.2013, 20:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Szene aus »Das Dorf in der Heide«: Der Film wurde 1956 in Reken gedreht und hatte jetzt in Lünen Premiere.

Szene aus »Das Dorf in der Heide«: Der Film wurde 1956 in Reken gedreht und hatte jetzt in Lünen Premiere.

Der Heimatschwank ist das, was man heute ein Low-Budget-Projekt nennen würde, und erzählt von einem Dorfbürgermeister in der Heide, der seinem Dorf durch Ölbohrungen zu Reichtum verhelfen will. In dem Verwirrspiel geht es um Eifersucht und Liebe, auch die schöne Bürgermeisterstochter darf nicht fehlen. So weit, so 50er-Jahre. Doch Regisseur Hans Müller-Westernhagen hat mit seinem Debütfilm kein Glück. Die Produktionsfirma geht pleite, der Film bleibt verschollen. 50 Jahre später macht sich der Rekener Rentner Anton Heilken auf die Suche nach dem Film und setzt Himmel und Hölle in Bewegung. Man findet das Filmnegativ im Bundefilmsarchiv. Und in Mike Wiedemann findet sich ein Partner, der an die Fertigstellung des kuriosen Projektes glaubt.

Einfach war die Rekonstruktion nicht. Das Drehbuch war nicht mehr auffindbar. Doch eine Lippenleserin aus Emden sorgte mit einer Kollegin dafür, dass auch ohne Drehbuch ein sinnvoller Text entstand. Gut waren die Voraussetzungen nicht: In manchen Szenen blieben die Schauspieler im Dunkeln, in anderen standen sie seitlich.

Eine Meisterleistung war auch der Schnitt. Denn der musste ohne Ton, nur mit der Inhaltsangabe von den Programmheften und Klappenbeschriftung so gelingen, dass am Ende noch eine sinnvolle Handlung übrig blieb. Eine Gruppe enthusiastischer Studenten der Internationale Filmschule Köln (ifs) erweckte den Film so zum Leben. Wiedemann wurde zum Produzenten und Motor des Projektes. Als i-Tüpfelchen durfte der Kinofest-Chef dann auch eine Rolle einsprechen. „Ich bekam einen Anruf, dass die Rolle eines alten Mannes noch frei wäre. Und hab erstmal Danke gesagt“, erzählte Wiedemann schmunzelnd bei der Aufführung. Überraschend groß ist das Medieninteresse an dem Projekt. So schaffte es das Kinofest mit dem „Dorf in der Heide“ am Samstagabend (23. November) zum ersten Mal in die „Tagesthemen“ der ARD. Auch Privatsender haben sich bei Heilken gemeldet.