Ein intimes Spiel mit Nähe

Ruhrtriennale

Obwohl diese spezielle Form des zeitgenössischen Tanzes schon in den 1970er-Jahren in New York erfunden wurde, erlebt die Contact Improvisation gerade eine neue Hoch-Zeit. Auch Laien treffen sich zu „Contact-Impro-Jams“. Meg Stuart zeigte jetzt im Programm der Ruhrtriennale eine Arbeit, die man als Grenzen auslotende Contact-Impro lesen kann.

ESSEN

, 18.09.2015, 15:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein intimes Spiel mit Nähe

„Until our hearts stop“ ist hochemotional.

„Until Our Hearts Stop“ heißt die Choreografie, die im Frühjahr schon als letzte Premiere von Johan Simons Intendanz an den Münchener Kammerspielen zu erleben war. Für die Aufführung in PACT Zollverein sind die Würfel neu gefallen: Der verstorbene Bassist Paul Lemp war maßgeblich an der Kreation der Live-Musik beteiligt, die die Grundlage der Choreographie bildet.

Schonungslose Befragung

Die Tänzer aus Meg Stuarts Truppe Damaged Goods hat der Verlust des Mitwirkenden und Freundes anscheinend zu einer noch unbedingteren und schonungsloseren Befragung dessen ermutigt, wie Kontaktaufnahme unter Menschen möglich ist. Wo ist die Grenze? Ist es die Haut, die unser Innen vom Außen trennt?

Zum wellenförmigen, musikalischen Sog des Jazz-Trios kreieren die Tänzer flüchtige, aber starke Bilder: Sie spielen ein Spiel aus großer Nähe, die schon beim Zuschauen unangenehm wirkt, und Rückzug in einsame Momente kalter Distanz. Es sind auch Fragen, die die Kommunarden der 1970er- und 80er-Jahren verhandelt haben, die die Performer auf der Bühne (Doris Dziersk) stellen: Wie ist das möglich, zusammen zu leben und jeden einzubeziehen?

Intime Gespräch

Irgendwann durchbrechen sie die vierte Wand, verteilen Kuchen im Publikum, verwickeln Zuschauer in intime Gespräche. Einigen ist das zu nah, sie verlassen den Raum. Für andere war es einer der stärksten Tanztheater-Abende seit Langem.

: 19. / 20.9., Karten: Tel. (02 21) 28 02 10.

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