Ein Konzern und seine Schätze

Henkel-Ausstellung in Kunstsammlung NRW

Geld spielte keine Rolle. Und auch an Gespür für Qualität und Außergewöhnliches mangelte es der kunstsinnigen Gabriele Henkel nicht, als sie Anfang der Siebziger begann, eine Kunstsammlung für den Weltkonzern ihres 1999 verstorbenen Mannes, des Gründer-Enkels Konrad Henkel, aufzubauen.

von Bernd Aulich

, 15.04.2016, 15:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Konzern und seine Schätze

Dem amerikanischen Künstlerfreund Frank Stella gilt eine Vorliebe der Sammlerin Gabriele Henkel: Seine verspielte, farbenfreudige Assemblage „Pau“ entstand 1981.

4000 Werke umfasst die Kollektion. Bisher kannten nur Mitarbeiter und Besucher Teile daraus aus Fluren, Büros und Konferenzräumen der Düsseldorfer Konzernzentrale. Es ist keine der üblichen Unternehmenssammlung, die als schmückendes Beiwerk oder gar als wertsteigernde Investition dient.

Sammlerin, Kritikerin, Mäzenin

Die Sammlung Henkel offenbart den Kunstverstand einer Sammlerin, Kunstkritikerin und Mäzenin, die mit sicherem Instinkt prägnante Beispiele wichtiger Tendenzen der frühen Moderne wie der Gegenwart und das Außergewöhnliche abseits des Mainstreams aufspürt. Ihre 40 Lieblingsstücke, gerade mal ein Prozent der Sammlung, breitet Gabriele Henkel nun im Henkel-Trakt der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz aus. Jenem weiträumigen Saal im Obergeschoss des Anbaues, den der Konzern mitfinanziert hat.

Die Auswahl verrät, welche Ambition die noch mit 84 als Honorarprofessorin an der Bergischen Universität Wuppertal die "Inszenierung von Lebenswelt" lehrende Kennerin mit Kunst verbindet: das Verlangen, den Blick zu schärfen. Gabriele Henkel hat fortgeschrieben, was Karl Ernst Osthaus zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Hagen oder Jahrzehnte später Eduard von der Heydt aus Wuppertal begonnen haben: den Blick auf außereuropäische Schätze auszuweiten, die ihr der amerikanische Künstlerfreund Frank Stella nahe gebracht hat.

Ornamente und Blüten

Und so finden sich im Zentrum des Saales Textilien der asiatischen Ikat-Färbe- und Webtechnik mit prächtigen Ornamenten und Blütenmotiven, die in Indonesien oder Usbekistan als Totentücher oder als festliche Hochzeitsgaben kultischen Zwecken dienten. Isfahan heißt nach der persischen Provinzhauptstadt eine monumentale, den viereckigen Rahmen sprengende Leinwand Stellas, der mit zwei weiteren farbenprächtigen Gemälden und drei raumgreifenden Assemblagen am häufigsten vertreten ist.

Schon eine der ersten Erwerbungen, Robert Delaunays "Rhythme Hélice", zeigt Gabriele Henkels Interesse für die Schnittstelle von Ornament und Abstraktion. Mit Uecker, Mack, Gerhard Richter oder Imi Knoebel ist die Düsseldorfer und Kölner Szene erstklassig vertreten. Kokett wirkt der magische Realismus des Düsseldorfers Konrad Klapheck in dem Gemälde "Die Diva". Es zeigt eine Dusche.

Kunstsammlung NRW Düsseldorf: "Henkel - Die Kunstsammlung" bis 14.8.2016, Grabbeplatz 5, Di - Fr 10-18 Uhr, an Sa,So 11-18 Uhr.