Ein Mann gibt Jules Vernes seine Stimme

Ruhrfestspiele: "Von der Erde zum Mond"

Wenn die Ruhrfestspiele sich vor Frankreich verneigen, darf Jules Verne nicht fehlen. Rufus Becks Solo entführt uns in die Welt des Technik-begeisterten Fantasten, der in seinen Romanen vieles vorausahnte, das so oder ähnlich Wirklichkeit wurde. Am Ende gab es stürmischen Applaus für das Ein-Mann-Stück.

RECKLINGHAUSEN

, 19.05.2015, 14:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Mann gibt Jules Vernes seine Stimme

Für seine herausragende Fabulier- und Vortragskunst erntete Rufus Beck stürmischen Beifall.

"Von der Erde zum Mond" erschien 1865 und orakelt von einer Reise zu unserem Trabanten mittels einer gewaltigen Kanone. Ausgeführt von den Amerikanern, die damals einen rauschhaften industriellen Boom erlebten. Verne nennt sie "geborene Ingenieure", macht sich aber zwischen den Zeilen über ihren blauäugigen Fanatismus lustig.

Es liegt an Rufus Beck, Vernes leiser Ironie zwinkernd Raum zu geben und uns im Wissen von heute über die Mondfahrt-Pioniere schmunzeln zu lassen. Beck meistert das wunderbar, tut nicht zu viel und nicht zu wenig. Ganz fein karikiert er die Schwadroneure und Naivlinge, die meinen, der Schwerkraft ein Schnippchen schlagen zu können, wenn Kanone und Treibladung nur groß genug seien.

Brillanter Erzähler

Wie der Abend zeigt, ist Beck nicht bloß im Studio ein brillanter Erzähler, auch live auf der Bühne haucht er einem Roman und seinen Gestalten Leben ein. Er reportiert die Handlung, lässt Figuren debattieren, als redeten sie gleichzeitig: Ein Stotterer, einer mit rheinischer Zunge, ein Bruder Leichtfuß mit französischem Akzent. Man glaubt beinahe, sie zu sehen.

Zur Illustrierung streift Rufus Beck Gehrock und Zylinder über, manchmal wechselt er zum Rednerpult, während vom Band das Gemurmel einer Versammlung zu hören ist. Auf einer Videowand sehen wir von Tina Kowatsch sparsam animierte historische Stiche, ähnlich den Zeichnungen Henri de Montauts, mit denen Vernes Roman bebildert war.

Mächtiger Donner

Gelegentlich zoomt die Kamera Details heran oder schwenkt über das Bild. 1000 Schlote müssen rauchen für den Triumph von Mensch und Technik. Ab und an gesellt sich Musik dazu und mächtiger Donner beim Abschuss der Kanone. Mehr braucht es nicht, den Rest stemmt Beck (auch Regie) allein mit der Stimme. Allerbeste Fabulier- und Vortragskunst, stürmischer Beifall für Rufus Beck.