Ein Mathematik-Genie beweist Herz

Im Kino

Mit Kreide schreibt er Formeln auf den Boden eines Tempels in Madras. Sein größter Schatz sind Kladden, voll mit mathematischen Theoremen. Der Mann ist ein Genie, ein Naturtalent, das das Pech hat, in Indien zu leben, fernab der akademischen Kreise. "Die Poesie des Unendlichen", ein Film von Matthew Brown, erzählt die wahre Geschichte des Mathematikers Srinavasa Ramanujan (1887-1920), der als Nobody nach Cambridge ging und dort Furore machte.

13.05.2016, 14:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Mathematik-Genie beweist Herz

Freunde auf dem Campus: Mathematikgenie Srinavasa Ramanujan (Dev Patel, r.) mit Professor und Mentor G. H. Hardy (Jeremy Irons).

Er war ein brillanter Kopf, ein Autodidakt, der die schwersten Rätsel aus der Welt der Zahlen knackte. Trotzdem wäre ihm die Anerkennung verweigert geblieben, hätte er in Professor G. H. Hardy nicht einen Förderer und Mentor gefunden.

Der Film (nach dem Buch von Robert Kanigel) setzt beiden ein Denkmal. Er beschreibt, wie Ramanujan (gespielt vom "Slumdog Millionaire" Dev Patel) an der Uni gegen eine Wand aus Arroganz und rassistischem Dünkel rennt, die er nur dank Hardy (Jeremy Irons) einreißen kann.

Pure Logik

Für die Snobs unter den Dozenten ist der Inder ein "schwarzer Curryfresser", der an der Uni nichts verloren hat. Wir schreiben das Jahr 1914. Indien ist eine britische Kolonie, die Soldaten und Diener hervorbringt, nicht aber Denker wie Ramanujan, so die herrschende Meinung.

Hardy erkennt die Begabung seines Schützlings und gibt dem Rohdiamant wissenschaftlichen Schliff. Während Hardy Atheist ist, sieht Ramanujan in der Schönheit purer Logik den Ausfluss des Göttlichen. Sie sind verschieden und werden trotzdem Freunde. Formal bleibt "Die Poesie des Unendlichen" etwas betulich. Erzählsprünge nach Indien, wo Ramanujans Frau wartet, stauen den Handlungsfluss.

Schauspielerkino

Krieg und Zeppelin-Angriff liefern die Hintergrundfolie, eine Krankheit wird zum dramaturgischen Hilfsmittel. Seine Meriten erntet der Film als Schauspielerkino.

Jeremy Irons und Dev Patel machen einen guten Job und schließen uns die Figuren wunderbar auf. Mathematik mag ein spröder Stoff sein, aber hier paart sie sich mit einer grundsympathischen Herzenswärme. Geht absolut in Ordnung.