Ein neues Herz für einen hohen Preis

„Dancing Souls“

Der neue Ballettchef Alfonso Palencia gibt in Hagen seinen Einstand und wählt dafür ein verblüffendes Thema, das aktueller nicht sein könnte.

HAGEN

, 15.01.2018, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein neues Herz für einen  hohen Preis

Amber Neumann tanzt die Frau, die ein neues Herz braucht. © Foto Lefebvre

Selten war Tanztheater so nah am aktuellen Tagesgeschehen: Just am selben Tag, an dem vermeldet wird, dass die Zahl der Organspenden in NRW auf einen neuen Tiefstand gefallen ist, widmet sich die Hagener Ballettcompagnie dem Thema Herztransplantation.

Das moderne Handlungsballett „Luminous Heart“ ist jene Choreographie, mit der Alfonso Palencia am Ende des Tanzabends „Dancing Souls“ seinen Einstand als Hagens neuer Compagniechef gibt. Am Samstag war die Uraufführung.

Dramatische Geschichte einer Kranken

Der 41-jährige Spanier erzählt eine sehr konkrete und detaillierte Geschichte von opernhafter Dramatik: Im Zentrum steht eine junge Frau, deren Herz zunehmend versagt, daneben ihr Geliebter, die Familie und Freunde sowie eine Schar von Schutzengeln, die der Kranken Mut geben.

Die Engel sollen Recht behalten: Am Ende gibt es Rettung und ein neues Herz, doch zu einem hohen Preis. Denn das Organ stammt vom Geliebten, der überfallen und zu Tode geprügelt wird. Palencia thematisiert das Überleben in einem anderen Körper auf maximal zugespitzte und melodramatische Weise.

Alfonso Palencia setzt neuen Schwerpunkt


In jedem Fall setzt er neben erkennbarer Kontinuität einen deutlich anderen Akzent als sein Vorgänger Ricardo Fernando, der mehrteilige Tanzabende gerne mit ausgelassen fröhlichen Choreographien beendete. Unter Palencia wird es möglicherweise etwas sentimentaler zugehen.

Dafür spricht auch das mittlere Stück „Extremely close“ von Alejandro Cerrudo, in dem es vor allem in poetischen ruhigen Pas de deux auf einer mit Federn bedeckten Bühne um die Spielarten menschlicher Nähe geht.

Exakte Choreografie überzeugt

Überaus energiegeladen und exakt auf den Punkt choreographiert ist der Beginn des Abends mit „Soma“ von der Irin Marguerite Donlon. „Soma“ ist das altgriechische Wort für Körper. Und der wird in einem Höchstmaß von Kraft und Geschmeidigkeit bei den Tänzern gefordert. Die Choreographie schnurrt wie ein Uhrwerk und produziert immer wieder überraschende und faszinierende Formen aus Körpern in perfektem Zusammenspiel.