Ein neues Museum für Wilhelm Morgner

Anbau in Soest

Anderthalb Jahre lang ist das Museum Wilhelm Morgner in Soest umgebaut worden. Jetzt wurde das 1962 errichtete und 1999 unter Denkmalschutz gestellte Haus wiedereröffnet. Entstanden ist in dem barrierenfreien Haus unter anderem ein gläserner Anbau. Und ein neuer Raum für spannende Ausstellungen. Aber auch Morgners Werk ehrt das Museum auf ungewöhnliche Weise.

SOEST

, 28.06.2016, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein neues Museum für Wilhelm Morgner

Das Museum Morgner mit dem neuen Glas-Foyer. Direkt dahinter steht in der Soester Altstadt der Dom. Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest

In diesem "Raum Schroth" präsentiert die Stiftung Konzeptionelle Kunst auf 280 Quadratmetern in Wechselausstellungen Kunst des 20. und 21. Jahrhundert.

Bis 18. September sind dort mehr als 65 Arbeiten der konstruktiven und konzeptuellen Kunst zu sehen. Lichtkunst von Bosse Sudenburg gehört ebenso dazu wie Raumobjekte und Arbeiten von internationalen Künstlern, die mathematische Formeln in Kunst übersetzt haben.

Sammlung Schroth

Die Sammlung von Carl-Jürgen Schroth umfasst rund 350 Arbeiten von 80 Künstlern. Sie gilt als eine der wichtigsten Sammlungen konkreter, konstruktiver und konzeptueller Kunst in Deutschland.

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Museum Morgner in Soest

Nach anderthalbjähriger Umbauzeit hat das Wilhelm-Morgner-Museum in Soest wiedereröffnet. Der Anbau an das denkmalgeschütze Gebäude ist äußerst gelungen und passt sich in der historischen Altstadt wunderbar der Nachbarschaft, unter anderem mit dem Dom, an. Zurzeit sind zwei sehenswerte Ausstellungen in dem Museum zu sehen.
29.06.2016
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Amazon“ heißt dieses vier Meter breite Foto von Andreas Gursky von einem Warenverteilzentrum in den USA. © Foto: Gursky/VG Bild-Kunst, Bonn 2016/Courtesy Sp
"Holzarbeiter" von Wilhelm Morgner.© Foto: dpa
Das Morgner in Soest hat einen neuen Glasanbau bekommen und ist jetzt auch komplett barrierefrei.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Skulptur "In Augenhöhe" von Erich Reusch.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Malerei von Wilhelm Morgner.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Bis 18. September ist die Ausstellung "Kontruktion" im Raum Schroth zu sehen.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
"Horizontale Linie" von James Howell.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
"Beschleunigung" von Vanessa Henn mit einem Geländer.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Nach mathematischen Formeln sind die Kunstwerke konzipiert.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Lichtinstallation von Bosse Sudenberg vor zwei Arbeiten von Hellmut Bruch.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Blick in den Raum Schroth, in dem die Stiftung Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zeigt.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Rauminstallationen, Skulpturen und grafische Arbeiten sowie Lichtkunst sind bis 18. September zu sehen.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Spiel mit Würfel.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Hell und freundlich sind die neuen Räume mit flexiblen Stellwänden.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
"Vernetzung" nennt Peter Weber diese Arbeit.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Die Stiftung verfügt über eine Sammlung von 80 internationalen Künstlern.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Nach anderthalbjähriger Umbauzeit hat das Museum seit dem 21. Mai wieder geöffnet.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
"Vuelta" von Vanessa Henn.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Die Stiftung Schroth hat ein Drittel des Umbaus bezahlt.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Konstruktivistische Kunst ist jetzt im Anbau des Museums zu sehen.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Alle drei Monate wechseln die Ausstellungen im Anbau.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Eine spannende Ausstellung ist die Eröffnungsschau im Raum Schroth.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
"Blind Screen" von Douglas Allsop im Atrium.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Aus Videobändern hat Allsop einen Rauminstalltion geschaffen.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Die Bänder aus Videokassetten sind straff durch den raum gespannt.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
"Elypsoide" von Reinaud Oudshoorn.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Installation von Frank Gerritz.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Selbstbildnis von Wilhelm Morgner aus dem Jahr 1910.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Die Malerei von Wilhelm Morgner ist in der ersten Etage des Museums, im ehemaligen Theatersaal und dem Umlauf, zu sehen.© Foto: Wilhelm-Morgner-Museum Soest
Schlagworte SOEST, Wilhelm Morgner

Auch das Atrium des Museums ist mit einem Glasdach geschlossen worden. In dem Raum ist Platz für bis zu fünf Meter hohe Installationen. Zurzeit ist dort eine Arbeit von Douglas Allsop zu sehen. Er hat Videobänder im Raum gespannt.

3,5 Millionen Euro für die Kunst

3,5 Millionen Euro hat der Umbau gekostet; ein Drittel hat die Stiftung bezahlt, den Rest die Stadt mit Unterstützung von Landes- und LWL-Mitteln.

Und die Umgestaltung hat sich gelohnt: Gelungen fügt sich der Glaskasten, mit dem die vordere Seite des Gebäudes geschlossen worden ist, in die historische Altstadt ein. Das Museum steht wenige Meter neben dem Dom und schmiegt sich sehr harmonisch an das alte Sandsteingebäude an.

Vier Bereiche für Kunst gibt es in dem Haus. Im Erdgeschoss ist dies neben dem "Raum Schroth" der "Hans Kaiser Raum". Jetzt ist dort eine Dokumentation zum Museum und zu Informell-Künstler Hans Kaiser zu sehen, der 1914 in Bochum geboren ist und 1982 in Soest starb.

Obergeschoss gehört Wilhelm Morgners Arbeiten

Herz des Museums ist das Obergeschoss mit dem ehemaligen Theatersaal - der Bereich für Wilhelm Morgner, den großen Sohn der Stadt, der einer der bedeutendsten expressionistischen Künstler Westfalens war. 1909, mit 18 Jahren, begann er zu malen. Nur acht Jahre blieben ihm, bis er im 1917 im Ersten Weltkrieg gefallen ist.

60 Ölgemälde und 400 grafische Arbeiten besitzt die Stadt Soest und zeigt sie im "Morgner-Saal". Sehr gut kann man nachvollziehen, wie Morgner von frühen Arbeiten in erdigen Farbtönen über den Pointillismus zu einer expressiven Bildsprache gefunden hat. "Die Soester halten meine Bilder für ganz verrücktes Zeug", hat Morgner damals gesagt. Und so heißt auch die Ausstellung im Morgner-Saal, die bis zum 7. August bleibt.

Leere Leinwände

61 Arbeiten von Morgner wurden 1937 als entartet verfemt und von Soest nach Berlin gebracht; nur 21 kamen zurück. Im Umlauf im Obergeschoss erinnert das Museum an diesen Verlust und hat leere Leinwände in den Formaten der Gemälde und Passepartouts in der Größe der Zeichnungen aufgehängt.

Sehenswert ist das Museum, das auch Lesungen und Konzerte im Foyer plant. Für Kinder gibt es eine Magnettafel, an der sie Bilder von Morgner aus Magneten nachpuzzeln können. - Auch eine sehr schöne Idee.

, Thomästraße 1 in Soest, Di-Fr 14-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr, Eintritt: 2 Euro, bis 16 Jahre frei. Morgner: „Die Soester halten meine Bilder für ganz verrücktes Zeug“, bis 7. 8.; Sonderausstellung "Konstruktion" aus der Sammlung Schroth bis 18.9.