Ein poetischer Tanz mit dem Tod

Maurice Béjarts „Ballet for Life“

Klassik trifft Rock, Ballett trifft Mode: Ein Gesamtkunstwerk hat Maurice Béjart mit „Ballet for Life“ 1997 geschaffen. Nun ist die energiegeladene, kein bisschen angestaubte Choreografie erstmals beim 28. Kölner Sommerfestival zu sehen. Noch bis Sonntag (2.8.) steht die lebensfrohe Tanzshow des Béjart Ballet Lausanne auf dem Programm der Philharmonie.

KÖLN

30.07.2015 / Lesedauer: 2 min

Gewidmet hat der berühmte Choreograf des 20. Jahrhunderts sein Ballett den früh Verstorbenen: dem Queen-Sänger Freddie Mercury und seinem Solotänzer Jorge Donn. Beide starben mit 45 Jahren an Aids.

„Make love, not war!“, dieser Slogan aus den 1960er-Jahren sollte sich als fatal erweisen und zieht sich als Leitmotiv durch das Tanztheater. Dennoch – entstanden ist ein Ballettabend, der das Leben, die Liebe und die Jugend feiert.

Vital-surreales Spektakel

Der Musik-Mix – bekannte Queen-Songs und einige Auszüge aus den Werken Mozarts – spiegelt sich in der Choreografie wider, die Spitzentanz mit modernen Tanzelementen verbindet. Dazu die wunderschönen Kostüme von Gianni Versace, für die allein schon ein Besuch des vital-surrealen Spektakels lohnt.

Mit einer poetischen Auferstehungsszene beginnt der Abend: Unter weißen Leinentüchern liegen die Tänzer, richten sich nacheinander auf und spielen mit den Laken, eine Art Morgengymnastik in weißen, mit schwarzen Streifen versehenen Bodys und Hosen zu „It´s a beautiful day“.

Jugendliche Heiterkeit

Jugendliche Heiterkeit bestimmt die meisten Szenen: das ausgelassene Strandleben zu „Seaside Rendezvous“ oder wenn sich 14 Tänzer in einen kleinen weißen Kasten quetschen. Morbid-erotisch ist das Pas de deux von einem Pärchen auf zwei Bahren, und an den Tod erinnert am Schluss auch die riesige Videoeinspielung – ein intensives Solo von Jorge Donn.

Der 2007 verstorbene Ballettmeister Maurice Béjart hat einen ausdrucksstarken Bilderreigen geschaffen, der mit der Durchhalteparole „The show must go on“ endet und der tollen Compagnie, nun unter der künstlerischen Leitung des ehemaligen Béjart-Tänzers Gil Roman, stehende Ovationen bei der Premiere am Mittwoch in Köln einbrachte.