Ein Richter für 180 Mark? – Viel zu teuer

Ausstellung in Bonn

Abends vor dem Schlafengehen blättert Gerhard Richter (85) gern in einem Bildband mit dem Gesamtwerk von Vermeer. "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", "Die Briefleserin", "Ansicht von Delft". Richter schwärmt für Vermeer und bezieht sich auf ihn. Das sieht man jetzt in einer Ausstellung im Kunstmuseum Bonn.

BONN

von Von Christoph Driessen

, 13.06.2017, 16:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Werke Gerhard Richters, hier die Arbeit „256 Farben“, wurden nicht immer zu enormen Preisen verkauft.

Die Werke Gerhard Richters, hier die Arbeit „256 Farben“, wurden nicht immer zu enormen Preisen verkauft.

In seinem klassischen Werk "Die Malkunst" gewährt Vermeer hinter einem zurückgeschlagenen Vorhang Einblick in ein Künstleratelier.

Vorhang-Bilder sind der Schwerpunkt der Schau

Dieser Vorhang-Effekt findet sich in der Malerei quer durch die Jahrhunderte. Auch Richter hat zu Beginn seiner Laufbahn in den 60er-Jahren Vorhang-Bilder gemalt. 

Mit Türen und Fenstern bilden sie den Schwerpunkt der Bonner Schau. Nur 25 Werke sind zu sehen, alle aus Richters Frühzeit. Aber gerade durch diese Beschränkung kann man gut erkennen, was das Besondere an Richters Werk ist.

Gegenständliche Bilder reihen sich an abstrakte

Was sofort auffällt: Von Anfang an stehen gegenständliche Bilder neben abstrakten. In den 60ern war das eher ungewöhnlich, Richter kümmerte das aber nicht. 

Er belebte die schon totgesagte Malerei wieder, indem er alle klassischen Genres wie Porträt, Landschaft, Historienbild und Stillleben erneut aufgriff. Nur ganz anders als vorher.

Türen aus der Barockzeit führen ins nichts

In Bonn ist der Vorhang aus der Barockzeit plötzlich wieder da. Aber bei Richter enthüllt er nichts, bleibt geschlossen. Ebenso wie die Türen aus dieser Zeit ins Nichts führen und seine Fenster keine Landschaft rahmen. Man hat zwar den Durchblick, aber man sieht nichts.

Heute denkt man beim Namen Richter unwillkürlich an das ganz große Geld. Die in Bonn ausgestellten Werke stammen noch aus einer Zeit, als sein Name nur Kennern etwas sagte.

Kein Richter-Werk fand einen Käufer

Der Zuwanderer aus Dresden war in Düsseldorf knapp bei Kasse und baute nebenher Karnevalsfiguren. Einen "Kleinen Vorhang" von ihm hätte man 1965 in einer Hannoveraner Galerie für 180 Mark erstehen können.

Das Bild fand aber - wie alle anderen angebotenen Werke von Richter - keinen Käufer.

: "Gerhard Richter: Über Malen - Frühe Bilder", 15.6. bis 1.10., Friedrich-Ebert-Allee 2, Di-So 11-18 Uhr, Mi 11-21 Uhr.

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