Ein Samariter fällt unter die Medienhaie

Neu im Kino

Franz Rogowski spielt in „Lux – Krieger des Lichts“ einen Zorro von der Spree.

07.01.2018, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Superheld im Supermarkt: Torsten alias Lux (Franz Rogowski) geht mit Maske zum Einkaufen. Foto Zorrofilm

Der Superheld im Supermarkt: Torsten alias Lux (Franz Rogowski) geht mit Maske zum Einkaufen. Foto Zorrofilm © dpa

Einen „real life Superhero“ habe es in Deutschland noch nicht gegeben, preist der Regisseur sein Projekt bei einem Produzenten an. Er will eine Doku über einen Berliner drehen, der als Superheld maskiert Essen an Obdachlose verteilt und als Samariter durch die Stadt streift.

Ein Verkaufsgespräch in der Medienbranche steht am Anfang von Daniel Wilds „Lux – Krieger des Lichts“, einem deutschen Film, der in Hof als bestes Debüt prämiert wurde.

Da wäre also dieser Torsten (Franz Rogowski), der sich Maske und Kostüm gebastelt hat. Als weißer Ritter „Lux“ will er Gutes tun. Lohnt das die Dreharbeiten? Okay, die Story hat einen gewissen Freak-Faktor, der Produzent gibt grünes Licht: „Zeigt mir, dass der Kerl echt ist, und wir sind im Geschäft!“

Ein Filmteam ist dabei

Also wird der Krieger des Lichts von einem Filmteam beschattet. Wenn es Nacht wird in Berlin, zieht er los, die Kamera ist dabei. Er legt sich mit dem Bäcker an, der Brötchen in den Müll wirft. Torsten alias Lux organisiert eine Demo gegen die Immobilienfirma, die auch seiner Mutter die Wohnung kündigen will.

Und hat Erfolg. Der Streiter mit der Maske ist bald eine lokale Berühmtheit, die Zeitung berichtet, im Internet kursieren Videoclips.

Futter für die Fans

Der Produzent (Heiko Pinkowski) entpuppt sich als Werbe-Profi, der weiß, wie man Marken kreiert und auf Social Media-Kanälen trommelt. Bis hier sehen wir eine amüsante Satire, die ziemlich leichtfüßig die Windmacherei medialer Inszenierungen aufs Korn nimmt.

Als die Story vom Komödiantischen ins Dramatische abbiegt, schwächelt der Film, weil er jetzt geschraubt wirkt. Das Komplott um eine Stripperin (Kristin Suckow) ist ein Konstrukt, das den Zynismus der Medienhaie bemüht wohlfeil entlarven soll. Die reden in Sprechblasen, verbiegen die Wirklichkeit und wollen Torsten verbiegen, bis nichts mehr „echt“ ist an ihm. Film essen Seele auf, um es mit Fassbinder zu sagen.

Sehenswert ist das aber doch: Franz Rogowski spielt den sensiblen, schüchternen Weltverbesserer wirklich überzeugend. Ein naiver Träumer im Geschäftsbetrieb unserer kalten Moderne.

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