Ein Theater der Grausamkeit

Neu im Kino

Serienmorde im London von 1880. Man hat Jack the Ripper im Kopf, den Kino-Comic „From Hell“, Tim Burtons „Sweeney Todd“ oder Watson und Holmes. Alles nicht verkehrt im Falle von Juan Carlos Medinas Schauerballade „The Limehouse Golem“.

von Kai-Uwe Brinkmann

, 03.09.2017, 14:43 Uhr / Lesedauer: 1 min
Im Frauenkostüm unterhält Varieté-Star Dan Leno (Douglas Booth) das Publikum mit schauerlichen Possen. Foto Concorde

Im Frauenkostüm unterhält Varieté-Star Dan Leno (Douglas Booth) das Publikum mit schauerlichen Possen. Foto Concorde © dpa

Deren Sherlock heißt Inspektor Kildare (Bill Nighy), der von Scotland Yard auf einen Mörder angesetzt wird, der einen Hang zu blutiger Theatralik pflegt. Er zerschnitzt seine Opfer und dekoriert Körperteile zu makabren Tableaus.

Die Bluttat eines offenbar Irren, den die Presse nach der jüdischen Legendenfigur „Golem“ tauft. Kildares Ermittlungen führen nach Limehouse, einen Bezirk, der in elendsfolkloristischer Schwarzmalerei als Drecksloch gezeichnet ist, voll mit Säufern und Huren.

Verdacht

In Verdacht gerät ein erfolgloser Bühnenautor, der von seiner Frau Lizzie (Olivia Cooke) vergiftet worden sein soll. Ist der Mörder also tot?

Kildare beobachtet den Prozess der vermeintlichen Giftmischerin und empfindet Mitleid. Sie könnte London von einem Scheusal befreit haben. Im Kontakt mit der Frau taucht Kildare in die Welt der Varietés ein, wo Stars wie Dan Leno (Douglas Booth) die Leute mit deftig grausamen Burlesken unterhalten.

Überfrachtet

Lizzie war Teil dieser Welt. In einem Geflecht von Zeitsprüngen beleuchtet der Film ihr Leben zwischen Armut, Gewalt, sexueller Verirrung und dem Treiben am Theater.

Atmosphärisch stark, doch thematisch überfrachtet und in die Breite erzählt, stauen die Rückblenden den Handlungsfluss. Bis zur überraschenden Schluss-Volte wird die Luft für den Krimi reichlich dünn. Als Sittenbild gut, als Thriller eher mau.

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