Ein Vater ist ein Vater

Schauspielhaus Bochum

Die Bühne, ein Quadrat in Weiß und Grau, reicht bis zur fünften Reihe ins Parkett hinein. Anselm Weber bringt seine Schauspieler den Zuschauern zum Abschied noch einmal ganz nah. "Alle meine Söhne" von Arthur Miller ist nach sieben Jahren die letzte Inszenierung des Intendanten am Schauspielhaus Bochum.

BOCHUM

, 21.05.2017, 13:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Michael Schütz (l.) und Nils Kreutinger als Joe und Chris Keller haben eine enge Vater-Sohn-Beziehung.

Michael Schütz (l.) und Nils Kreutinger als Joe und Chris Keller haben eine enge Vater-Sohn-Beziehung.

Es ist ein Kammerspiel auf großer Bühne im Bochumer Schauspielhaus, dass Weber zeigt.  Die Familie in ihren unheilvollen Verflechtungen, Schuld, Moral - das sind die Themen, über die Arthur Miller kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb. Es passt auch heute gut in unsere Zeit, in der ein Präsident seinen ganz eigenen amerikanischen Traum lebt.

Auch Joe Keller verkörpert so einen Traum. Michael Schütz spielt ihn als einen Mann, höchst zufrieden mit dem, was er erreicht hat. Er ist laut, jovial, stolz auf seine Familie, auf seinen geschäftlichen Erfolg.

Dass er vor Jahren schuld war, dass wegen fehlerhafter Flugzeugmotorenteile 21 Piloten um Leben kamen und statt ihm sein Geschäftspartner ins Gefängnis kam, hat er erfolgreich verdrängt. Ja mehr, er kann keine Schuld bei sich erkennen. Alles, was er getan hat, hat er für die Familie gemacht. "Ein Vater ist ein Vater" - das ist sein Credo.

Intensives Spiel

Fast wie in einem Krimi entwickelt sich die Geschichte langsam, dann umso grausamer. Als Ann, die ehemalige Verlobte des im Krieg vermissten Sohnes Larry, zu Besuch kommt, weil sie jetzt dessen Bruder Chris heiraten will, kommen langsam Details ans Licht. Sie ist schließlich auch die Tochter des Geschäftspartners.

Wer hat, weshalb etwas verdrängt, geleugnet, wie wird damit umgegangen, dass die eigene Wahrheit plötzlich bedroht wird - das spielen die sieben Schauspieler sehr beeindruckend.

Wechselbad der Gefühle

Auf Augenhöhe lässt Nils Kreutinger als Chris die Zuschauer am Wechselbad seiner Gefühle teilhaben. Die wirklich Handelnden sind aber die Frauen.

Katharina Linder ist wunderbar als Mutter, die still die Fäden in der Hand hat, dann wieder fast manisch wirkt und urplötzlich mit großer Grausamkeit handelt. Ihre Lüge wird sie auch über den Selbstmord ihres Mannes hinaus leben.

Sarah Grunert als Ann zeigt eine kraftvolle, junge Frau, die am Ende als einzige bereit scheint für eine neue Zukunft mit Chris. Und auch Xenia Snagowski als Nachbarin hat einen starken Auftritt.

Der letzte Premierenbeifall

Am Ende gibt es sehr langen Applaus. Für 100 Minuten intensives Theatererlebnis. Für die Schauspieler, die Anselm Weber genauso wie die Inszenierung mit ans Schauspiel Frankfurt nehmen wird. Und für den Intendanten, der noch einmal ganz intensiv von der Bühne aus die Ausstrahlung des Schauspielhauses und seines Bochumer Publikums aufnahm.

Termine: 26./31.5., 12./ 13./.18./25.6.; Karten: Tel. (0234) 33 33 5555.

 

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