Ein verhängnisvoller Baby-Tausch

Kino: "Zweite Chance"

Nach ihrem Hollywood-Abstecher dreht die dänische Regisseurin Susanne Bier ("Open Hearts", "In einer besseren Welt") nun wieder in ihrer Heimat. Ihr neuer Film "Zweite Chance" beschreibt eine seelische Zerreißprobe, ein moralisches Dilemma, das von je her den Treibsatz von Biers Melodramen ausmacht.

DORTMUND

, 15.05.2015, 16:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein verhängnisvoller Baby-Tausch

Für Andreas (Nikolaj Coster-Waldau) und Anna (Maria Bonnevie) gibt es eine „Zweite Chance“.

Die Polizisten Andreas (Nikolaj Coster-Waldau) und Simon (Ulrich Thomsen) fahren zu einer Sozialbau-Siedlung, wo ein Choleriker seine Freundin anbrüllt. Dieser Tristan (Nikolaj Lie Kaas) ist ein gewalttätiger Junkie, den Andreas für Abschaum hält.

Die Wohnung ist ein Rattenloch, und Andreas traut seinen Augen nicht, als er sieht, dass Tristan mit seiner Freundin ein Kind hat. Das Baby liegt im Dreck, doch der Sozialdienst sieht keine Handhabe, den Jungen in Obhut zu nehmen. Armes Kind. Viel besser geht es doch dem Jungen, den Andreas und Anne (Marie Bonnevie) haben. Ein schönes Zuhause, liebevolle Eltern, materielle Sicherheit.

Heile Welt gerät aus den Fugen

Doch die heile Welt gerät aus den Fugen, als Andreas den Kleinen tot in seinem Körbchen findet. Anne wird hysterisch und droht mit Selbstmord, sollte Andreas einen Arzt rufen. Die Schlüsselszene. In einer Kurzschlusshandlung tauscht Andreas sein totes Kind gegen das der Junkies, die betäubt im Rausch liegen.

Die wachen auf, finden die Leiche und werden panisch. Andreas und Anne heucheln derweil Normalität. Alle weiteren Verwicklungen (eine angebliche Entführung, Tristans Verhör, das Leid seiner Freundin, Andreas' Gewissensbisse) gründen auf dem Kindestausch. Für unser Auge ist der reiner Kintopp, konstruiert, unglaubwürdig.

Emotionales Duschbad

Wer das anders sieht, mag vom Folgenden aufgewühlt sein. Wir sind es nicht, an uns perlt das emotionale Duschbad weitgehend ab. Was bringt das tiefste Seelendrama, wenn es auf einer ärgerlichen Prämisse fußt? Schön gespielt, sogar spannend, leider vom Drehbuch her geschraubt.

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