Eindrucksvolles Tor führt in die Römerwelt

Alisopark in Haltern

Die längste und größte jemals gebaute Rekonstruktion einer römischen Wehrmauer mit Tor und Türmen wird am Donnerstag (30.6.) in Haltern für Besucher geöffnet. "Das ist kein Fantasiegebilde wie in Disney World, sondern Pfosten für Pfosten ein Zeugnis römischer Bau- und Kulturgeschichte", sagte LWL-Direktor Matthias Löb bei einem Rundgang über die Baustelle.

HALTERN

, 28.06.2016, 16:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Haltern war ab dem Jahr 7 vor bis 16 nach Christus eines der größten römischen Militärkomplexe im rechtsrheinischen Germanien und der letzte Stützpunkt, den die Römer nach der Varusschlacht noch gehalten haben.

Für 1,5 Millionen Euro hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit Unterstützung des Landes innerhalb von zwei Jahren hinter dem LWL-Römermuseum eine 156 Meter lange Holz-Erde-Mauer und das Westtor nachbauen lassen. Insgesamt zehn Jahre sind seit erster Planung und offizieller Einweihung heute um 18 Uhr mit mehr als 300 geladenen Gästen vergangen.

Neue Pläne ab 2018

Matthias Löb erklärte, warum der Landschaftsverband trotz der Fertigstellung noch immer von einer Baustelle spricht: "Der Römerpark Aliso soll in einem zweiten Bauabschnitt um ein Kasernengebäude und eine Offiziersunterkunft wachsen." Dafür werden gerade die Grundstücksverhandlungen geführt.

Acht Meter hoch sind die Tortürme, 256 Kubikmeter Eichenholz wurde verbaut. Über acht Wochen lang haben die Handwerker die Pfosten wie zu römischen Zeiten mit dem Beil in Form gebracht. Eine Leistung, die Respekt verdient.

Geschichte hautnah erleben

NRW-Bauminister Martin Groschek, dessen Ministerium den Bau maßgeblich mitfinanziert hat, spart deshalb nicht mit Komplimenten, die er übermitteln ließ: "Wer eine Reise in die Vergangenheit wagen will, kann auf der Baustelle Aliso Geschichte hautnah erleben." Der Besucher bekomme eine gute Vorstellung davon, wie Haltern vor 2000 Jahren ausgesehen habe. "Die eingesetzten Landesmittel sind jeden Cent wert."

Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des LWL-Römermuseums, erinnerte daran, dass es bereits 1901 erste Rekonstruktionsversuche des Lagers gegeben habe. "Keiner von drei Versuchen war aber dauerhaft." Während des Ersten Weltkrieges beispielsweise wurde das Holz der Anlage aus Not verfeuert.

500 Legionäre kamen zur Eroberung

5000 römische Legionäre bereiteten einst im Halterner Hauptlager die Eroberung der germanischen Gebiete vor. Von der Imposanz dieses Stützpunktes geben die Nachbildungen der Holz-Erde-Mauer und des Westtores eine Ahnung.

Dr. Rudolf Aßkamp geht zu 95 Prozent davon aus, dass der römische Militärkomplex in Haltern am Unterlauf der Lippe tatsächlich das in der antiken Literatur beschriebene Aliso ist. Und es sich damit um das letzte Lager handelt, das die Römer nach der Niederlage 9 n.Chr. noch gehalten haben.  

Berlin an der Lippe

LWL-Direktor Matthias Löb sagte gestern bei der Pressekonferenz im Römermuseum kühn: „Wer weiß, hätten die Römer das Lager in Haltern wie geplant ausgebaut, dann läge Berlin heute nicht an der Spree, sondern an der Lippe.“ Aber die römischen Truppen zogen ab und entwickelten entlang des Rheins römische Hochkultur.

„Für die Westfalen hingegen begannen dunkle Jahrhunderte, aus denen sie erst Karl der Große wieder hinausführte“, so Dr. Aßkamp.  

Rampe für 290 000 Euro

Ab heute geht es aufwärts – zu einem sensationellen Erlebnis. „Wer durch die aufgestellten Ferngläser blickt, erlebt weit mehr Eindrücke als der bloße Anblick der Nachbauten erahnen lässt“, schwärmte Matthias Löb. Dieses Erlebnis ist auch Menschen mit Behinderungen zugänglich.

290 000 Euro hat sich der LWL eine moderne Rampe kosten lassen. Sie liegt verborgen hinter der Wehrmauer und ist von außen nicht zu sehen.  

12 500 Eichen gefällt  

Im April 2012 erfolgte der erste Spatenstich zum ersten Bauabschnitt im Römerpark, langwierige Grundstücksverhandlungen und archäologische Untersuchungen zogen sich bis zum Frühjahr 2015 an. Zehn Prozent der ursprünglichen Holz-Erde Mauer wurden rekonstruiert.

Jeder Schritt fußte dabei auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Einst fällten die Legionäre 12 500 Eichen, aus denen sie zwei parallele Bohlenwände zimmerten. Den Zwischenraum verfüllten sie mit Erde aus dem Umwehrungsgraben. So entstand in drei Metern Höhe ein Wehrgang, der das komplette Lager umschloss. Alle 20 Meter war die Mauer mit einem Turm bewehrt.  

Der Römerpark wertet das Museum in Haltern am See weiter auf, ist Dr. Rudolf Aßkamp sicher und Matthias Löb sieht in Xanten, Kalkriese und Haltern drei Stützpunkte der römischen Geschichte, die sich mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten sinnvoll ergänzen.

Öffnungszeiten: Das an der Weseler Straße 100 in Haltern hat dienstags bis freitags von 9-17 Uhr und samstags und feiertags von 10-18 Uhr geöffnet.
Eintritt: Erwachsene 4 Euro. Es ist aber geplant, mit Eröffnung des Römerparks auf 5 Euro zu erhöhen. Kinder / Jugendliche: 1,50 Euro.
Zweiter Bauabschnitt: Er soll 2018 beginnen. Besucher können nicht nur zuschauen, sondern auch helfen, Elemente einer Kaserne der Römerzeit entstehen zu lassen.