Eine App soll’s möglich machen: Öffnet Rostock als erste Stadt Geschäfte und das Stadion?

Coronavirus

In Rostock hat es im bundesweiten Vergleich stets geringe Corona-Neuinfektionen gegeben. Die Hansestadt drängt daher auf schnelle Lockerungen. Die Rostocker Strategie verfolgt mehrere Ansätze.

Hannover

von Alice Mecke

, 27.02.2021, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der parteilose Däne Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister von Rostock.

Der parteilose Däne Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister von Rostock. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Könnte das gesellschaftliche Leben in Rostock schon ab dem 8. März wieder Richtung Normalität steuern – inklusive Fans, Fußballstadien und geöffneter Kneipen? In der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns sollen vor allen anderen Regionen im Land Lockerungen möglich sein. Nach Informationen der „Ostsee Zeitung“ (OZ) haben sich darauf am Freitag Vertreter der Landesregierung und Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen verständigt. Anfang der Woche soll Rostock laut „OZ“ seine neuen, konkreten Pläne für Testöffnungen von Handel, Kultur und Sport auf einem MV-Gipfel vorstellen.

Im Mittelpunkt der Rostocker Strategie soll eine neue Corona-App namens Luca stehen: Mit dieser Anwendung könne man künftig „einchecken.“ Bei einem möglichen Corona-Ausbruch in einem besuchten Geschäft oder Friseursalon sollen sich mit Luca schnell die Kontakte nachverfolgen. Ansonsten bleibe der App-Nutzer anonym. „Wir alle werden so zum Teil des Gesundheitsamtes, machen die Nachverfolgung leichter“, sagte Madsen.

Termine zum Shoppen und bis zu 2000 Stadionbesucher

Die Friseure in der Hansestadt sollen die App bereits ab Montag nutzen. Im nächsten Schritt wolle man die Händler unterstützen, die App einzuführen. Gebe es kommende Woche grünes Licht vom Land, sollen die Geschäfte in der Hansestadt schon Mitte März öffnen dürfen – für „Click & Meet“. Rostocks Oberbürgermeister erklärt: „Die Kunden können sich dann einen Termin buchen und zu einer festen Zeit shoppen gehen.“ Das könne „ein guter Anfang“ sein.

Ebenfalls bereits Mitte März wolle Rostock wieder Fans ins Ostseestadion und in die Stadthalle holen. „Wir werden eine Schnellteststrategie erarbeiten“, sagte Madsen. Bei Spielen der Empor-Handballer könnten so wieder bis zu 500 Zuschauer möglich sein, im Ostseestadion sogar bis zu 2000.

Bundesweite Werbung für Rostocker Konzept

Madsen werbe mittlerweile bundesweit für sein Konzept: „Ich habe es Bundeskanzlerin Angela Merkel geschickt und mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bereits persönlich darüber sprechen können.“

Unterstützung kommt auch aus der Wissenschaft: Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger ist zuversichtlich, dass die Corona-Inzidenzwerte in Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Wochen sinken werden. Diese Hoffnung sei etwa mit weiteren Impfungen und dem bevorstehenden Frühling verbunden, sagte Reisinger der Deutschen Presse-Agentur. Bereits im vergangenen Jahr sei die Zahl der Neuinfektionen in den wärmeren Jahreszeiten zurückgegangen.

Die ersten Monate mit Corona-Impfungen hätten gezeigt, dass sich das Infektionsgeschehen in Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen reduziert habe. In den ersten Wochen des Jahres seien die Corona-Inzidenzwerte gesunken, zuletzt habe es weltweit eine Art Seitwärtsbewegung gegeben, also kaum sinkende Werte. „Die britische Virusvariante spielt dort sicherlich eine maßgebliche Rolle“, sagte der Mediziner.

Geringere Infektionszahlen im Hanseland

Mecklenburg-Vorpommern hatte über viele Monate in der Pandemie im bundesweiten Vergleich niedrigere Infektionszahlen, zuletzt lag der Nordosten häufig über dem Bundesschnitt bei den Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. „Die Unterschiede sind zwischen den Bundesländern nicht so groß“, betonte Reisinger. Diese lägen oftmals nur wenige Punkte auseinander.

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Seit Beginn der Pandemie vor etwa einem Jahr hat die Hansestadt Rostock stets mit die geringsten Corona-Infektionszahlen im Bundesland. Dies macht Reisinger an weniger Pendelverkehr im Vergleich zu anderen Regionen fest, zudem würden sich viele Bürgerinnen und Bürger in der Hansestadt an die Regeln halten. Er bescheinigte dem Rostocker Oberbürgermeister Madsen (parteilos) ein gutes Corona-Management. Er hat „frühzeitig und konsequent gehandelt“.

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