Eine Ehe in der Krise: Tragödie "Liebe und Geld" in den Kammerspielen

BOCHUM Eine Liebestragödie in Zeiten der globalen Krise hat der britische Autor Dennis Kelly mit "Liebe und Geld" geschrieben - und das Geld siegt über die Liebe. Denn um sich von seinen Schulden zu befreien, hilft David dem Selbstmordversuch seiner Gattin Jess nach. Dicht und berührend hat Sebastian Hirn seine erste Regiearbeit für die Bochumer Kammerspiele in Szene gesetzt.

von Von Britta Helmbold

, 19.01.2009, 16:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Verzweifeltes Paar: Louisa Stroux als Jess und Oliver Möller als David.

Verzweifeltes Paar: Louisa Stroux als Jess und Oliver Möller als David.

Erzählt wird das Scheitern einer Liebe in Rückblenden. Dazwischen lässt Hirn, der auch die Bühne einrichtete, Videoprojektionen in Comic-Ästhetik vom hektischen Leben im Kapitalismus über die Seitenwände und den eisernen Vorhang laufen. Letzterer bescherte dem knapp zweistündigen Stück bei der Premiere eine ungewollte Pause, da er sich nicht mehr hochziehen ließ.

Besonders eindringlich sind jedoch die Momente der Stille, der Nachdenklichkeit. Wenn die Protagonisten sich der Schuldfrage stellen oder das Ensemble an der Rampe - an einen griechischen Chor erinnernd - über die Möglichkeit des Überlebens in einer durchmaterialisierten Welt philosophiert.Im Anzug mit Sportjacke darunter

Oliver Möller als David, von Veronika Bleffert in einen Anzug mit Sportjacke darunter gesteckt, spielt den verliebt Schüchternen, der seinen Wert nach seiner Gehaltsstufe bemisst, genauso überzeugend wie den verzweifelt Arbeitssuchenden oder den ungeduldigen Ehemann, der seine Frau wegen ihrer Kaufsucht ins Verhör nimmt. Louisa Stroux´ leicht verstörte Jess im blutverschmierten Minikleidchen hingegen versteht sein Misstrauen nicht. Tragikomisch, dass ausgerechnet sie, die einzige, die noch nach Sinn sucht, die meint, es müsse mehr geben als Geld, durch ihre Kaufsucht die Katastrophe produziert. Wunderbar, wie Stroux versucht, uns das Weltall zu erklären und warum sie kauft.

Am Ende gesteht ihre Jess mit glänzenden Augen: "Ich bin zuversichtlich." Dazu besteht kein Grund - wie das Publikum noch dieser intensiven Aufführung weiß.

Termine: 24.1., 11./21.2.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.

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