Eine Nonne zum Verlieben

"Sister Act" in Oberhausen

Sie singt mit schlankem Soul-Timbre, akzentuiert glasklar, hat ein gewinnendes Lächeln und weiß sich zu bewegen. Sogar in Nonnentracht sieht dieser Hüftschwung sexy aus. Dass Zodwa Selele obendrein ein hübsches Gesicht hat, schadet sicher auch nicht.

OBERHAUSEN

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 04.12.2013, 15:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Nonne zum Verlieben

Zodwa Selele sieht sexy aus und kann toll singen. »Sister Act« in Oberhausen ist perfekt auf sie zugeschnitten.

Alles nicht unwichtig, wenn man die Hauptrolle im Musical "Sister Act" spielt, das am Dienstag im Oberhausener Metronom Theater Premiere feierte. Sind Stück und Inszenierung doch so auf eine Figur zugeschnitten, wie es im Musical-Zirkus selten ist.

Erotische Farbe Selele ist die Nonne zum Verlieben. Sie bringt eine erotische Farbe ein, wo "Sister Act"-Film-Nonne Whoopi Goldberg allein mit Herz und Schnauze punktete.

Goldberg selbst hat ihre Nachfolgerin für die Bühnenversion ausgesucht, sie wusste schon, warum. Die Hauptrolle der flippig flatterhaften Disco-Braut Deloris Carter, die im Kloster untertaucht, ist also optisch und musikalisch ansprechend besetzt.

Paillettenkleider

Die Bräute Christi sind auch mit Blick auf ihr komisches Potenzial ausgesucht. Sonja Atlas spielt die drollige Wuchtbrumme Mary Patrick, raumgreifend in Naturell und Körperlichkeit. Und Armin Dillenberger sieht aus, wie man sich rundlich gemütliche Pfaffen vorstellt.

Kirchenfenster werden zur Lichtorgel Von der Disco ins Haus des Herrn. Das Bühnenbild ist ein Hingucker, wo am Ende bunte Kirchenfenster zur Lichtorgel werden, besticht aber auch durch intelligente Lösungen.

Fliegender Umbau: Die wuchtigen Streben der Kirche fahren zur Seite, das Bild vom Abendmahl entschwindet nach oben. Ruckzuck wechselt die Kulisse in eine Bar oder den Strip-Club, in dem die Ganoven abhängen. Ein Lob geht an die Kostümabteilung -die Paillettenkleider der Glitzerschwestern sind toll.

Motown und Disco Alan Menkens Musik fusioniert Motown-Soul und Disco-Groove. Die Hitqualität hält sich in Grenzen, weil die langen Melodiebögen Textträger sind und knackige Einzeiler wie "Shake Your Booty" fehlen.

Die Texte sind aber pfiffig gereimt: "Sei die Hand, die meinen Heiland weckt. Keine Angst, alles bleibt unbefleckt!"

Handwerklich eine Show auf ganz hohem Niveau. Die Tanznummern sitzen, die Komik funktioniert. Selbst wenn mancher Gag sich versendet: Was trinken Nonnen seit Charles Wilp? Genau: Sexy-mini-super-flower-Afri Cola.

Termine: Vorstellungen Di/Mi 18.30 Uhr, Do/Fr 19.30 Uhr, Sa 14.30 und 19.30 Uhr, So 14 und 19 Uhr. Karten: Tel. (01805) 44 44. Ermäßigungen für Kinder, Azubis und Rentner.