"Eine offene Rechnung" ist ein spannender Agententhriller

Im Kino

"Der felsenfesten Wahrheit bringt der Mensch keine Verehrung entgegen: wohl aber einer schönen Lüge“, hat Gilbert Keith Chesterton, Autor der Pater-Brown-Geschichten gesagt. Als Motto des Agententhrillers „Eine offene Rechnung“ von John Madden wäre der Aphorismus ideal. Als Widerhaken im Film über Rache und Gerechtigkeit.

von Von Klaus-Peter Heß

, 27.09.2011, 19:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mossad-Agentin Rachel (Jessica Chastain) füttert den gefangenen Dr. Vogel (Jesper Christensen).

Mossad-Agentin Rachel (Jessica Chastain) füttert den gefangenen Dr. Vogel (Jesper Christensen).

Aber die Sache ist nicht so gelaufen, wie sie geplant war. Rachel musste Vogel auf der Flucht erschießen. Dafür wurde sie in ihrer Heimat gefeiert, dafür brachte man ihr alle Ehren entgegen – darüber hat ihre Tochter ein viel beachtetes Buch geschrieben. Dass Vogel (Jesper Christensen) den drei Israelis entkommen konnte, darüber haben die Geheimdienstmitarbeiter aus Scham geschwiegen – und daran haben sie 30 Jahre gelitten. Einer wird die Lüge nicht überleben. Wann ist Lüge Betrug?

Welche Chance hat die Wahrheit gegen das Böse? Wann ist die Lüge ein böser Betrug, wann ist sie Segen für Menschen, die die Wahrheit nicht kennen? John Madden stellt viele solcher Fragen. Dabei erzählt der Regisseur keine lineare Geschichte. Aus Bruchstücken von Vergangenheit und Gegenwart muss man sich selbst ein Bild von Tatsachen und Täuschungen machen. Mehr als einmal läuft man in die Irre. Aus Verwirrung wird Spannung. Und nach einem psychodramatischen Kammerspiel entwickelt sich Agenten-Thrill.