Eine Reise durch die Welt des Balletts

Vom klassischen Spitzentanz bis zum modernen Tanztheater: Mehr als fünf Stunden Ballett von Weltklasse - das präsentiert jedes Jahr die «Nijinsky-Gala» zum Abschluss der Hamburger Ballett-Tage.

Hamburg (dpa)

von Von Carola Große-Wilde, dpa

, 13.07.2015, 13:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der russische Tänzer und Choreograf Waslaw Nijinsky während einer Aufführung um 1922. Foto: dpa

Der russische Tänzer und Choreograf Waslaw Nijinsky während einer Aufführung um 1922. Foto: dpa

Eine Reise durch die Welt des Balletts - das bietet Tanz-Enthusiasten die «Nijinsky»-Gala, krönender Abschluss der zweiwöchigen Hamburger Ballett-Tage.

In diesem Jahr stand das mehr als fünfstündige Ballettfest im «Geist der Romantik»: «Der Geist der Romantik hat uns in dieser Spielzeit verfolgt. Nicht im altmodischen Sinne, sondern mit den Augen und den Ausdrucksmitteln von heute», sagte Ballettintendant John Neumeier, der wie immer charmant und mit persönlichen Anmerkungen durch den Abend führte, zu Beginn der Gala am Sonntagabend. Am Ende gab es langanhaltenden Applaus für alle Mitwirkenden, jede Menge Blumensträuße und Konfetti-Regen.

Gleich im ersten Teil konnten die Zuschauer die Entwicklung vom klassischen Spitzentanz bis heute verfolgen - ähnlich der mehr als 40-jährigen Ballett-Ära von John Neumeier in Hamburg. In «La Sylphide», nach «Giselle» das bekannteste romantische Ballett von August Bournonville von 1836, boten Alina Cojocaru als La Sylphide im weißen Spitzenkleid und Johan Kobborg als James im Schottenrock klassischen Spitzentanz in Vollendung - ebenso wie Leslie Heylmann und Alexandr Trusch in «La Vivandière» (Die Marketenderin). «Das ist nicht romantisch im emotionalen Sinne, sondern weil es sauschwer zu tanzen ist», gab Neumeier dann auch schmunzelnd zu.

Ganz im Gegensatz dazu die Ausschnitte aus «Verklungene Feste», ein Ballett von John Neumeier aus dem Jahr 2008 zu Musik von Richard Strauss, in dem er Elemente des klassischen Balletts mit zeitgenössischem Tanz verbindet. Hingebungsvoll geben Anna Laudere und Edvin Revazov ein Paar, das sich bald trennen muss, ebenso Silvia Azzoni und Alexandre Riabko. Eine Position zwischen diesen beiden Polen nahm das Houston Ballet ein, das als Gastcompagnie Ausschnitte aus den Balletten «Clear» (Musik: Johann Sebastian Bach) und «Sons de l'âme» (Musik: Frédéric Chopin) in der Choreografie ihres Leiters Stanton Welch bot. Wie aus einer anderen Welt die Darbietungen des National Ballet of China, die begeistert gefeiert wurden.

Höhepunkt des Abends war das Stück «Le Pavillon d'Armide», das John Neumeier 2009 in Erinnerung an Ballett-Legende Waslaw Nijinsky (1889-1950) geschaffen hat. Es spielt im Sanatorium «Bellevue», in dem Nijinsky einst untergebracht war und wo er sich an seine legendären Auftritte mit den Ballets Russes erinnert. Otto Bubenicek, der nach 22 Jahren die Compagnie verlässt, brillierte noch einmal virtuos und sprunggewaltig als Nijinsky, zusammen mit Ivan Urban als Serge Diaghilew, dem Gründer des Ballets Russe. Im historischen Armide-Pas de Trois glänzten Alexandre Riabko als Nijinsky, Carolina Agüero als Tamara und Leslie Heylmann als Alexandra.

Mit den einfühlsamen Bildern von Neumeiers Ballett «Winterreise» (2001) begann der dritte Teil des Abends. Zu Hans Zenders orchestraler Interpretation von Franz Schuberts Liederzyklus (1827) erzählten die Tänzer von Menschen auf der Flucht. Poetisch und anmutend das Pas de deux von Alina Cojocaru als Solveig und Carsten Jung als Peer Gynt. In der Rolle der Marguerite Gautier aus «Die Kameliendame» brillierte Swetlana Sacharowa vom Bolschoi-Ballett, als ihr Geliebter Armand Duval Edvin Revazov. Als fröhliches und farbenfrohes Finale zeigte das Ensemble Bournonvilles «Napoli», das Ballettmeister Lloyd Riggins Ende 2014 auf die Bühne gebracht hat.

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