Einer, der das Bochumer Stadtbild geprägt hat

Architekt Roman Reiser

Der Architekt Roman Reiser hat das Bochumer Stadtbild über einige Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt. Am Freitag feierte er seinen 95. Geburtstag. Wir blicken auf das Leben des Mannes zurück, dessen Werke noch heute in Bochum zu sehen sind - und die teilweise unter Denkmalschutz stehen.

BOCHUM

von Frank Dengler

, 19.09.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einer, der das Bochumer Stadtbild geprägt hat

Das Kloster Stiepel gehört zu den Bauwerken, die der Architekt errichtete.

Am Freitag beging der Architekt Roman Reiser seinen 95. Geburtstag. Während seiner mehr als 50-jährigen Tätigkeit erwarb er sich einen hervorragenden Ruf, vor allem durch seine Bauten in Bochum und im Ruhrgebiet, wo der Schwerpunkt seines Werkes liegt.

Geboren am 18. September 1920 in Lauingen an der Donau, wurde Reiser nach dem Abitur zum Militär eingezogen und musste den Zweiten Weltkrieg bis zum Ende durchstehen. Nach der Heimkehr studierte er 1946-49 Architektur an der TH München. Damit zählt er zur ersten Architekten-Generation, die nach der NS-Zeit wieder mit dem Neuen Bauen bzw. der Internationalen Moderne vertraut gemacht wurden. Unter Reisers Hochschullehrern finden sich renommierte Namen wie Hans Döllgast und Martin Elsässer.

Karriereverlauf

Ins Ruhrgebiet kam Reiser durch die Bekanntschaft mit seiner späteren Ehefrau Marianne, die aus Bochum stammte. Nach einer ersten Beschäftigung bei dem Architekten August Schröder arbeitete Reiser ab 1951 als Entwurfsarchitekt bei der Oberpostdirektion Dortmund, wo ihm bald die Leitung des Hochbaureferats übertragen wurde. Zwei seiner Bauten, ein Pavillon mit Postfiliale am Bahnhof Langendreer und ein Postamt in Werne, fanden besondere Aufmerksamkeit und hatten Anfragen von privaten Interessenten zur Folge. Dies führte ihn 1954 zu dem Entschluss, sich als freischaffender Architekt niederzulassen.

Zunächst war der Wohnungsbau Reisers Arbeitsschwerpunkt. Insbesondere seine Einfamilienhäuser der 1950er und 60er Jahre erfreuen sich unter Hausbesitzern und Architekten wegen ihrer durchdachten Planung mit flexiblen Grundrissen und der soliden Ausführung noch heute großer Beliebtheit. Viele von ihnen sind - abgesehen von energetischen Sanierungen - bis zur Gegenwart kaum verändert worden.

Kohlekrise und Universitätsbau

Den Strukturwandel im Ruhrgebiet begleitete Roman Reiser aktiv. Noch um 1960 gehörten zu seinen Auftraggebern auch Bergbaugesellschaften, für die er Bergarbeiter-Wohnungen (z.B. Dinnendahl- / Untere Heidestraße), Häuser für Angestellte oder Lehrlingsheime errichtete. Mit der Kohlenkrise und der Gründung der Ruhr-Universität Bochum änderte sich dies. Ab Mitte der 1960er Jahre nahm Reiser an der Gestaltung der „Universitäts-Rahmenstadt“ teil, indem er sowohl Siedlungen mit großzügigen Wohnungen für Hochschulbedienstete (Auf dem Aspei 53-63), als auch Studentenwohnheime („Hegge-Kolleg“, Markstr. / Glücksburger Str.) erbaute.

Schon lange bevor der Begriff „Industriekultur“ populär wurde, integrierte Reiser den alten Malakoffturm der Zeche Julius-Phillipp in seine Uni-Wohnanlage an der Markstraße. Damit trug er maßgeblich zur Rettung dieses Denkmals bei, das die Stadt Bochum eigentlich abbrechen wollte. Heute beherbergt der Turm die Medizinhistorische Sammlung der Ruhr-Uni. Das Feld der Bauaufgaben verbreiterte sich für Reiser auch in den 1970er und 80er Jahren. Es kamen vermehrt Verwaltungs- und Geschäftsbauten, Schulen und öffentliche Gebäude hinzu.

Zeitlose Bauten

Gleichzeitig wuchs sein Büro, das 1986 zur GmbH mit vier Teilhabern erweitert wurde und als „Reiser & Partner“ bis heute am Waldring besteht. Roman Reiser selbst schied 1991 aus der Geschäftsführung aus, aber auch danach arbeitete er noch an einigen Projekten. Einer seiner letzten größeren Entwürfe, das Zisterzienserkloster in Stiepel (seit 1987), wurde mit der Gestaltung des Mönchsfriedhofs 2001 vollendet. Basierend auf einem mittelalterlichen Klosterplan, doch in heutigen baulichen Formen realisiert, ist es ein Paradebeispiel für Reisers Credo der Verbindung von Tradition und Moderne, mit dem Ziel, eine möglichst „zeitlose“ Wirkung zu erreichen.

In Reisers sehr umfangreichen Werkkatalog finden sich viele Bauten, die bis heute das Bochumer Stadtbild prägen, wie das Europa-Hochhaus (1959-63), der Sudhaus-Turm der Brauerei Fiege (1967-70), das „Bomin-Haus“ an der Königsallee (1972-76) oder die Deutsche Bank am Husemannplatz (1985-87). Schon während seiner aktiven Zeit erhielt Reiser eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen. In den letzten Jahren wurden nun mehrere seiner Bauten in Bochum und Dortmund unter Denkmalschutz gestellt.