Einmal ich und zurück

BOCHUM August Zirner ist ein Mann der Sprache. Aber da ist auch seine „Sehnsucht nach Musik“. Im Spardosen Terzett hat der Schauspieler Partner gefunden, um beide Leidenschaften zu vereinen.

von von Ronny von Wangenheim

, 15.02.2008, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beim Botenabend gaben August Zirner und das Spardosen Terzett schon eine Kostprobe.

Beim Botenabend gaben August Zirner und das Spardosen Terzett schon eine Kostprobe.

„Einmal ich und zurück ... eine Geschichte in Jazz“ heißt der Abend, mit dem August Zirner am Sonntag, 19 Uhr, erst einmal Abschied nimmt von Bochum: Mit Liedern wie „Here comes the whistle man“ und „Back Home Blues“ bis hin zu „Serenade to a Cuckoo“. Bereits heute steht er ein letztes Mal in Schnitzlers „Der einsame Weg“ auf der Bühne. Zirner hängt an der Inszenierung: „Ich bin sehr traurig, dass es nicht mehr gespielt wird“.

Radikalindividualisten

Es sind die drei Jazzlegenden Theolonious Monk, Charles Mingus und Rahsaan Roland Kirk, die August Zirner seit seiner Jugend in den USA faszinieren. „Ausgegrenzte Gestalten“ nennt er sie, „Radikalindividualisten“, und erzählt im Telefongespräch von den feurigen Reden, die alle drei von der Bühne herab gehalten haben. Die aber meist schwer zu verstehen waren. Und im Hintergrund ist Musik von Mingus zu hören. Der Schauspieler hat in den Musikern „drei sehr Wortsuchende“ gefunden. Für das Programm „Einmal ich und zurück“ hat er Texte gesammelt, von Plattencovern oder aus Büchern – „fast literarische Texte, halb erfunden, halb wahr“. Und immer wenn die Sprache aufhört, fängt die Musik an.

Musik, vor allem Jazz und Blues, begleitet August Zirner seit seiner Kindheit. Schon früh waren es die schwarzen Musiker, diese Außenseiter, die ihn faszinierten. Vielleicht unbewusst, so sagt er, eine Reaktion auf die eigene Geschichte als Sohn jüdischer Emigranten, die aus Österreich in die USA geflohen waren. Zirner, 1959 geboren, lernte früh Querflöte. Doch der erfolgreiche Schauspieler, der zuletzt mit Filmen wie „Wut“, „Die Fälscher“ oder „Contergan“ beeindruckte, hat irgendwann das Instrument nur noch für den Hausgebrauch gespielt.

Friedrich der Große

Eigentlich ist Friedrich der Große Schuld daran, dass sich das geändert hat. Vier Jahre ist es her, dass Zirner die Rolle des Königs übernahm und anfing, dessen Etüden zu spielen. „Ich habe jeden Tag geübt", erzählt August Zirner. „Darüber habe ich gemerkt, wie ich den Friedrich spielen muss“. Seitdem hat der 49-Jährige das Querflötenspiel wieder intensiviert, hat ab und zu bei Benefizkonzerten seines Kollegen Miroslav Nemec gespielt, schließlich das Spardosen Terzett getroffen, mit ihnen gejamt und in den letzten eineinhalb Jahren an dem Programm „Einmal ich und zurück“ gearbeitet.

Kostprobe als Bote

Hat Zirner sich bei den Arbeiten zu Friedrich II. musizierend dem Text genähert, macht er es jetzt andersherum, kommt über die Sprache zur Musik. Perfekte Partner sind da die Drei vom Spardosen Terzett. Bei einem Botenabend im Schauspielhaus haben die vier 2007 schon eine Kostprobe gegeben. Die machte damals Lust auf mehr.  www.schauspielhausbochum.de