Eisernes Sparen reicht Brechtenerin nicht mehr

Altersarmut

BRECHTEN Ihr Leben lang hat Gisela Dobras jeden Pfennig umgedreht. Sie ist ein Sparfuchs. Doch jetzt fürchtet sich die 61-Jährige in die Altersarmut zu rutschen. Sie hat nur einen Wunsch: Arbeit.

von Von Petra Frommeyer

, 07.01.2010, 12:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Meine Chefin hatte das wohl vergessen, als sie mir kündigte", sucht sie nach einer Entschuldigung. Trotzdem fühlt sie sich wie ein "alter Putzlappen", den man weggeworfen hat. "Über den Jahreswechsel war die Panik besonders groß", sagt sie leise.

1300 Euro Rente. Davon gehen 500 Euro Warmmiete ab, Strom, Fernsehgebühren, der Beitrag für eine kleine Lebensversicherung und, und und. Summa sumarum bleiben dem Seniorenpaar 400 Euro zum Leben. Das wenige Ersparte ist bald aufgebraucht. Die beiden Söhne können auch nicht helfen, der eine ist selbst arbeitslos, der andere muss eine große Familie versorgen.

Gisela Dobras will mit ihrem Gang in die Öffentlichkeit, kein Mitleid heischen, sie bekommt und will auch keine staatliche Hilfe. "Wir haben Wohngeld beantragt, aber da zählt nur die Kaltmiete. Dieser Behördengang hat mir schon gereicht."

Obwohl sie Arthrose hat, fühlt sich fit genug, um zu arbeiten. Auf ihre eigene kleine Rente will sie nicht warten. "Mit 65 Jahren werden es rund 250 Euro sein."

Da sie nicht lange stehen kann, sucht sie eine sitzende Tätigkeit. Die gelernte Großhandelskauffrau könnte sich vorstellen für ein Beerdigungsinstitut zu arbeiten. Am liebsten aber in ihrem bisherigen Job: Rohrreinigungs-Notdienst. "Da habe ich 20 Jahre Erfahrung", sagt sie stolz. "Bei dem Hochwasser in Dorstfeld - Ende Juni 2008 - war sie die ganze Nacht im Einsatz. "Hier von meinem kleinen Schreibtisch habe ich die Leute eingeteilt."

Erste eigene Einbauküche Gisela Dobras hatte sich riesig gefreut, als sie vor drei Jahren mit ihrem Mann von Mengede nach Brechten zog. "Den Umzug haben wir allein hingekriegt, die Möbel haben wir von den verstorbenen Schwiegereltern eines meiner Söhne geerbt. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Einbauküche", schwärmt sie. "Und mein Balkon ist mein ganzer Stolz". Dennoch: Die Traurigkeit bleibt und die große Angst, im Alter zu verarmen.

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