Eishallen-Krise in Unna schon seit 2014 absehbar

Das Bummeln ist bewiesen

Die Krise der Unnaer Eishalle ist Folge von unterlassenen Investitionen. Eine Absicht ist der Stadt und ihrer Tochter WBU dabei schwer nachzuweisen. Andererseits tun sich beide damit schwer, den Vorwurf böswilligen Verbummelns zu entkräften.

Unna

, 03.07.2018 / Lesedauer: 3 min
Eishallen-Krise in Unna schon seit 2014 absehbar

Dieser Zähler wurde schon vor einem Jahr überflüssig. Mit dem Einbau einer eigenen Heizung in der Schwimmsporthalle löste die WBU den Energieverbund mit der Eishalle auf. Die Unabhängigkeit des Hallenbades galt als technische Voraussetzung dafür, die Eishalle schließen zu können.Archiv © Marcel Drawe

Dass sich die WBU absichtlich nicht um die Eishalle gekümmert hat, um sie eines Tages als wirtschaftlich untragbar abzureißen, ist sicherlich nichts, was die Geschäftsführung der Stadttochter je bestätigen würde. Der Vorwurf steht durchaus im Raum – geäußert in vielen Social-Media-Kommentaren der früheren Nutzer, aber auch in der politischen Debatte. Nachweisen indes lässt sich nur die Fahrlässigkeit des Verbummelns, nicht die böse Absicht.

Im Rat der Stadt etwa kritisierte FLU-Fraktionschef Klaus Göldner, dass nie Rückstellungen gebildet worden seien, um ein Gebäude bei Bedarf reparieren zu können. So würden einst teure Anschaffungen über die Zeit ihrer Nutzung zwangsläufig verschlissen, und das Ergebnis sei nun unüberraschend.

Doch auch Göldner gelang es mit seiner Analyse nicht, Stadt und WBU eine böse Absicht hinter der Bummelei nachzuweisen. Etwas forscher trat die FDP-Fraktion an, die öffentlich fragte, warum den bisherigen Pächtern für 650.000 Euro eine Restvertragslaufzeit von 19 Monaten abgekauft wurde. Im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung sollen die Liberalen dafür arge Schläge eingesteckt haben. Der WBU Unlauterkeit vorzuwerfen, das war ein Tabubruch, bei dem sich selbst der fraktionslose Christoph Tetzner schützend vor ihren Geschäftsführer Karl-Gustav Mölle stellte, den er sonst eher kritisch beäugt.

Zumindest streitet die WBU ab, bereits Investoren für einen Kauf der Fläche an der Hand gehabt zu haben, als die Schließung der Eishalle zum akuten Thema wurde. Tatsächlich habe sich ein Interessent gemeldet, mit dem danach Sondierungsgespräche aufgenommen worden seien. Doch er sei erst am 21. Juni 2018 an die Stadt herangetreten – also drei Tage nach der Pressekonferenz, bei der WBU und Pächter ihre vorzeitige Trennung bekannt gegeben haben. Eigene Vermarkungsbemühungen habe es dagegen noch nicht gegeben.

Dass die WBU die Aufgabe der Eishalle zumindest als Option im Blick hatte, ist allerdings durch mehrere Belege gesichert. Schon 2014 beschrieb die WBU die Situation der Eishalle in einem Papier für die Mitglieder des Aufsichtsrates. Und in diesem Papier wurden neben eigenen Investitionen in die Halle mehrere „Handlungsalternativen“ aufgezeigt: Ein Verkauf der Halle, die Vergabe eines Erbbaurechts – und die „anderweitige Verwendung der Grundstücksflächen“.

Als ein weiteres Indiz für eine langfristige Planung könnte die Auflösung des Energieverbundes zwischen der Eishalle und der benachbarten Schwimmsporthalle gelten. Im Sommer 2017 erhielt das Hallenbad eine eigene Heizung. Pläne dafür waren bereits im Vorjahr gereift: Zuvor bezog das Hallenbad „Fernwärme“ aus dem Nachbargebäude, doch zwei Ausfälle der Anlage dort hatten die Versorgungssicherheit infrage gestellt.

Auf eine aktuelle Anfrage unserer Redaktion bestreiten Stadt und WBU, dass die Auflösung des Energieverbundes bereits mit Blick auf eine Aufgabe der Eishalle erfolgt sei. Und tatsächlich mag die unabhängige Heizanlage im Anbau des Hallenbades auch eine weitsichtige Entscheidung für den Schwimmsport gewesen sein – keine Entscheidung gegen den Eissport. Klar ist damit nur, dass der WBU schon 2016 sehr wohl bewusst war, wie es um den Anlagenzustand in der Eishalle bestellt war. Kostenansätze für Investitionen in Kälte-, Lüftungs- und Heizungstechnik fanden sich zudem schon im 2014er Papier für den WBU-Aufsichtsrat.

Die Frage zwischen Absicht und Fahrlässigkeit unterlassener Investitionen in die Eishalle wird sich vielleicht nicht klären lassen. Dass der Ausfall der Anlage seit mehreren Jahren absehbar war, ist dagegen unstrittig.