Die Unterschiede bei den Kita-Elternbeiträgen im Land sind gewaltig. Für die gleiche Leistung zahlen Eltern in ihrem Ort teilweise mehrere hundert Euro mehr im Monat als anderswo.

Dortmund

, 09.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Städte und Gemeinden legen selbst fest, wieviel Eltern an Beiträgen für ihr Kind zahlen müssen. Und das tun sie höchst unterschiedlich. Nur ein Beispiel: Mit einem Einkommen von 80.000 Euro kostet ein 35-Stunden-Betreuungsplatz für ein Kind von vier Jahren monatlich in Düsseldorf gar nichts, in Castrop-Rauxel 140 Euro, in Dortmund 197 Euro, in Unna 243 Euro und in Kamen satte 266 Euro.

►►►Wir haben hier eine Übersicht über die Kita-Beiträge in den verschiedenen Städten und Gemeinden der Region erstellt.

Flickenteppich kam erst 2006

Vor 2006 gab es keinen bunten Teppich unterschiedlicher Elternbeiträge im Land. In Nordrhein-Westfalen mussten Eltern überall die gleichen Beiträge bezahlen. Dann wurde es den Städten überlassen, die Beiträge festzusetzen. Dabei werden zwar überall Eltern mit niedrigen Einkommen ganz von der Beitragspflicht befreit – in den meisten Kommunen bis zu einem Jahreseinkommen von etwa 18.000 Euro, aber: „Die derzeitigen Beitragsstaffelungen sind nicht ausreichend, um armutsgefährdete Familien tatsächlich in Relation zu ihrem Haushaltsnettoeinkommen zu entlasten“, heißt es in einer im Mai veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Nach wie vor würden im Schnitt arme Familien über Gebühr zur Kasse gebeten. Die folgende Grafik zeigt, bis zu welchem anrechenbaren Einkommen die Familien keine Kita-Beiträge zahlen müssen.

Einheitliche Beiträge gefordert

Ginge es nach der Dortmunder Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger, gäbe es möglichst schnell wieder einheitliche Elternbeiträge: „Es ist der Entwicklung des Gesamtlandes nicht zuträglich, das dient auch nicht der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse, wenn ein Kindertagesstättenplatz in einer Region wie dem Ruhrgebiet wesentlich teurer ist als beispielsweise in Monheim, meinem Lieblingsbeispiel. Monheim kann die Kindertagespflegeplätze ohne Elternbeiträge zur Verfügung stellen. Das geht nicht, das macht eine regionale Disparität auf, die falsch ist“, sagt Schneckenburger. Wichtig sei eine soziale Ausgewogenheit. Die Stadt Dortmund dränge daher auf einheitliche Elternbeiträge. Dabei müsse es zwingend eine soziale Staffelung geben und das Land müsse die dadurch entstehenden Defizite ausgleichen.

Wohnort entscheidet über Belastung

Mit ihrer Forderung nach landesweit einheitlichen Elternbeiträgen befindet sich die Dortmunder Dezernentin in guter Gesellschaft. Birgit Westers, Schul- und Jugenddezernentin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, sagt: „Es kann nicht sein, dass der Wohnort maßgeblich über die Belastung der Eltern entscheidet. Landesweit einheitliche oder zumindest doch deutlich harmonisierte Elternbeiträge sind dringend erforderlich.“

Ähnlich sieht das Matthias Menzel, Hauptreferent beim nordrhein-westfälischen Städte- und Gemeindebund: „Fachlich und sozialpolitisch wären landeseinheitliche Elternbeiträge sinnvoll. Im Moment nehmen einige Orte gar nichts, andere sehr viel. Viele werden dazu auch von den Aufsichtsbehörden zu höheren Elternbeiträgen angehalten, wenn die Haushaltssituation nicht gut ist. Wir hoffen daher, dass es wieder gelingt, zu landeseinheitlichen Beiträgen zurückzukehren.“

Kein Thema für das neue Gesetz

Ein Wunsch, dem sich Krista Körbes, Landesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, anschließt: „Landesweit einheitliche Beträge wären toll“, sagt sie. Sie bedauert, dass dieses Thema bisher bei der Debatte um eine Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) durch die Landesregierung keine Rolle spiele.

Eltern, die einen Blick ins benachbarte Niedersachsen werfen, können neidisch werden. Dort ist der Besuch der Kita für alle Ü-3-Kinder inzwischen kostenlos. In Nordrhein-Westfalen ist lediglich das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung gebührenfrei.

Das sagt die Landesregierung

„Langfristig strebt die Landesregierung die Beitragsfreiheit für alle Kindergartenjahre an, allerdings ist dies kurzfristig – wegen der strukturellen Unterfinanzierung des Systems – nicht umsetzbar“, teilte das NRW-Familienministerium auf Anfrage mit. Jetzt müsse es darum gehen, zum einen die strukturelle Unterfinanzierung der Kitas zu beseitigen und zum anderen die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Kitas zu verbessern. Dazu arbeite man an der Reform des Kibiz, argumentiert das Ministerium.

Dass Ausbau, Finanzierungs-Sicherheit und Qualitätssteigerung derzeit Vorrang vor dem Ziel der Beitragsfreiheit haben, dafür gibt es Verständnis. Matthias Menzel vom Städte- und Gemeindebund: „Es macht doch keinen Sinn, über eine Beitragsfreiheit nachzudenken, wenn man dann nicht die gewünschte Qualität erreicht.“

Städte in einem Zielkonflikt

Hemut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, sagt: „Die Städte befinden sich in einem Zielkonflikt. Sie wollen, dass die von Bund, Ländern und Kommunen bereitgestellten Kita-Gelder sowohl in eine bessere Qualität in den Kindertagesstätten fließen als auch in den Ausbau an Betreuungsangeboten. Weil bereits die Verfolgung dieser beiden Ziele viel Geld kostet, erscheint den Städten der Spielraum für eine Entlastung der Eltern begrenzt.“

Jetzt lesen

Übersicht über die Kita-Beiträge in den Städten und Gemeinden

Jede Stadt und jede Gemeinde legt in eigener Hoheit die Elternbeiträge fest. Dabei haben die Gemeinden auch jeweils unterschiedliche Einkommensgrenzen festgelegt. Wir haben beispielhaft zwei Einkommen (einmal 40.000, einmal 80.000 Euro) für unseren Vergleich ausgewählt.

Beispiel 1: Familieneinkommen von 40.000 Euro

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Beispiel 2: Familieneinkommen von 80.000 Euro

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