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Emotionaler Striptease einer gequälten Familie

Ruhrtriennale

Das Bühnenbild in der Maschinenhalle Zweckel wird dominiert von einem Teppich, 15 Meter im Quadrat, der von Emporen flankiert ist. Ein bisschen wie eine Arena, als fänden hier Schaukämpfe statt. Und wirklich ringen dann Menschen miteinander, aber vor allem martern sie sich selbst.

GLADBECK

, 25.09.2017 / Lesedauer: 2 min
Emotionaler Striptease einer gequälten Familie

Sie suchen Halt und Trost: Chris Nietvelt (l.) als Constance, Steven van Watermeulen (r.) als ihr Mann Henry.

Bei der Ruhrtriennale spielte die Toneelgroep Amsterdam unter Regisseur Ivo van Hove am Sonntag das Melodram „Kleine Seelen“, nach einem Romanstoff des Niederländers Louis Couperus (1863-1923).

Es ist der dritte Couperus, den die Truppe auf die Bühne bringt, man betreibt die Ehrenrettung eines fast vergessenen Autors. Obwohl: Im Licht der Aufführung zeigt sich, dass Couperus wohl eher Strindbergs kleiner Bruder ist denn sein ebenbürtiger Zwilling.  

Frustrierende Lebensbilanz

Das Stück seziert das Nervengeflecht einer Familie, über der ein Fluch zu liegen scheint. Jeder ist geschlagen mit Kummer, Trauma, Enttäuschung. Wo die Figuren eine Lebensbilanz ziehen, fällt sie frustrierend aus. Wir sehen den Seelen-Striptease gequälter Kümmerlinge, erst spät scheint eine vage Hoffnung auf Veränderung auf. Alle suchen Halt und Trost, meist vergeblich.

Constance (Chris Nietvelt) ist mit Henry (Steven van Watermeulen) verheiratet, ihre Liebe erkaltet. Sie philosophiert über das Alter und das Sterben der Freude. Sohn Addy (Robert de Hoog) trägt schwer an der Last, der Familie eine Stütze zu sein. Die Eltern klammern sich an ihn, seine Frau fordert Zuwendung. Die depressive Cousine ist fixiert auf ihn, seit ihr Vater sich umbrachte.  

Melancholie vom Klavier  

Miteinander agieren die Figuren kaum. Die Inszenierung reiht Monolog (auf niederländisch, deutsch übertitelt) an Klagelied, Pianist Harry de Wit unterlegt Melancholisches. Auf Dauer wirkt das mehr ermüdend als ergreifend, so fabelhaft das Ensemble auch spielt. Der Applaus gilt in erster Linie den Schauspielern.

28./29./30. 9.; Karten: Tel. (02 21) 28 02 10.