Emscher-Revolutionär Karl Ganser feiert 80. Geburtstag

Ehemaliger Leiter der IBA

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park (1989-1999) gilt als das gelungenste Strukturprogramm integrierter Stadt- und Regionalentwicklung und ist seit jeher eng mit dem Namen Karl Ganser verbunden. Am Freitag (15.9.) wird er 80 Jahre alt. Dieter Nellen erinnert an ihn.

DORTMUND

von Dieter Nellen

, 14.09.2017, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Formatidee hatten der seinerzeitige Minister für Städtebau, Christoph Zöpel, und sein zuständiger Abteilungsleiter, Karl Ganser. Er verließ dafür die Landeshauptstadt und übernahm die operative Leitung der IBA. Von Johannes Rau hatten die beiden klugen Köpfe den politischen Segen.

Ohne diesen wäre das anspruchsvolle Projekt vielleicht gescheitert. Die industrielle Vergangenheit sollte nun nicht mehr Last, sondern Zukunft mit Identität sein. Räumliches Leitprojekt war der Emscher Landschaftspark mit Zukunftsstandorten eigener Art quer durch die Region: Landschaftspark Duisburg-Nord, Gasometer Oberhausen, Zeche Zollverein und Jahrhunderthalle im Westpark Bochum.

Ganser beförderte Renaturierung der Emscher

Meist ging es um Wiederherstellung von Landschaft und das industrielle Erbe. Schon im Zuge der Dortmunder Bundesgartenschau von 1991 beförderte Ganser deshalb die Renaturierung der Emscher. Für die Kokerei Hansa entwickelte er das homöopathische Konzept des „kontrollierten Verfalls“.

Die Gründung der dortigen Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur geht ebenfalls auf ihn zurück. Dortmund war zunächst mit Wohnquartieren und der Neuen Evinger Mitte dabei. Anders als in den Nachbarstädten wurde die Transformation großer altindustrieller Flächen wie Phoenix erst nach der IBA wirklich akut.

Nun waren neue räumliche Konzepte von behutsamer Stadterneuerung, Konversion und integrativen Handlungskonzepten gefragt. Das gelang mit professioneller Systematik. Der Emscher Landschaftspark verlängerte sich in den Südosten. Der Geist der IBA paarte sich mit neuen städtebaulichen Ideen.

Emscher fügt sich in die Stadtlandschaft

Während Phoenix-West dem IBA-Modell von Arbeiten im Park bei selektivem Erhalt der Industriearchitektur folgt, bedeutet der Phoenixsee den Wandel zu einer urbanen Adresse von Wohnen und Arbeiten am Wasser. Die Emscher fügt sich dort und inzwischen im gesamten Stadtgebiet in die Landschaft. Der Fluss ist zurück.

Und es geht weiter: „Nordwärts“, eine Potenzialkampagne will wie die IBA schlummernde Ressourcen mobilisieren und als Gesamtdramaturgie verdichten. Die Region ist im Gefolge von IBA, Ruhrtriennale und Kulturhauptstadt 2010 mit der Methode, Räume und Formate zu verbinden, gut gefahren.

Karl Gansers Werk ist unverändert präsent

Die Vorzüge regionaler Handlungsstrategie sind erkannt: Bis zur Internationalen Bauausstellung Ruhr 2027 soll ein großes Zukunftsareal entstehen. Ein grün-blaues Band wird sich dann im Dortmunder Westen an der Emscher mit baulicher Konversion und neuer Kulturlandschaft entlangschlängeln.

Karl Ganser und sein Werk sind unverändert präsent. Heute wird er 80 Jahre alt. Das Bekenntnis zur eigenen Herkunft und (Industrie-) Natur hat er neben seinen gestalterischen Leistungen als Vermächtnis hinterlassen. Die IBA war ein Glücksfall für die gesamte Region. Nachhaltigkeit muss keine Worthülse sein.

Zur Person:

  • Karl Ganser wurde am 15. 9. 1937 in Bayern geboren und nach Studium, Promotion und Habilitation an der TU München 1971 Leiter des Instituts für Landeskunde in Bonn. 1980 wechselte er als Abteilungsleiter Städtebau in die Landesregierung NRW und war dann von 1989 bis 1999 Geschäftsführer der Internationalen Bau-Ausstellung (IBA).
  • Der Autor Dr. Dieter Nellen war nach beruflichen Stationen im Landes- und Kommunaldienst von 1996 bis 2014 Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation beim Regionalverband Ruhr. Jetzt ist er freier Publizist und Berater sowie Lehrbeauftragter an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund.
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