Entertainer mit dem Taktstock

Musikforum Bochum

Sollte der Bochumer Generalmusikdirektor Steven Sloane mal eine Auszeit brauchen - der Ersatzmannn steht bereit: Herbert Grönemeyer dirigierte am Samstagabend im Musikforum Bochum die Bochumer Symphoniker in Mozarts Jupiter-Sinfonie, und der 61-jährige Rockstar hatte genauso viel Spaß daran wie das Publikum im seit Monaten ausverkauften Saal.

BOCHUM

, 30.04.2017 / Lesedauer: 3 min
Entertainer mit dem Taktstock

Die Blumen für Herbert Grönemeyer (r.) übergab Generalmusikdirektor Steven Sloane persönlich.

Partituren lesen kann Grönemeyer - schließlich hat er in Bochum mal fünf Semester Musikwissenschaft studiert. Aber ein Sinfonieorchester in einem klassischen Werk zu dirigieren, ist für ihn Neuland. Konzentriert steht er am Pult, zählt leise das Tempo vor, Daumen hoch in Richtung Orchester, los geht's.

Die Presseplätze sind auf der Empore hinter dem Orchester, mit Blickkontakt zum Pultstar, dessen Dirigierstil man Freestyle nennen könnte. Klar könnten die Bosys das auch alleine spielen, der Konzertmeister führt etwas mehr als sonst, aber die Einsätze gibt Grönemeyer alle zuverlässig. Es läuft und klingt gut.

Tief im Westen

Szenenapplaus nach dem ersten Satz, Grönemeyer ballt die Faust, lächelt ins Publikum, klappt doch alles. Nur die Brille rutscht auf der feuchten Nase - dirigieren ist schweißtreibend. Der langsame Satz klingt zackig, der Rockstar tänzelt, lächelt, genießt das Bad im Klang. Dann der dritte Satz. Das Menuett liegt Grönemeyer, er läuft immer mehr zu Hochform auf, kitzelt Akzente aus der Cello- und Geigengruppe, und das Orchester folgt ihm willig.

Ein tiefer Schnaufer vom Dirigentenpult, Steven Sloane auf der Empore schmunzelt, nur noch das Finale. Auch das läuft wie am Schnürchen. Grönemeyer strahlt die Bläser nach jedem gelungenen Einsatz an, jetzt ist er Entertainer am Pult. Und es macht Spaß, zuzuhören. Riesenapplaus, Erleichterung bei dem Debütanten mit dem Taktstock. So ein Konzert würden wir in jeder Saison gerne hören.

Die Zugabe lässt das Publikum rasen: "Bochum", Grönemeyers Hit und Hommage an seine Stadt von 1984, mit Sloane am Pult und dem Rockstar am Mikro - dort, tief im Westen, in dem fantastischen, kleinen Saal, für dessen Bau Grönemeyer Benefizkonzerte gegeben hat.

Filmmusik-Komponist

Im ersten Teil des Konzerts saß Grönemeyer auf der Empore neben Frank Heckel, dem Mann, der zwei seiner Filmmusiken für das Orchester toll arrangiert hat. Sloane dirigierte die Suiten zu "The American" und "A most wanted man". Und das Publikum feierte den Komponisten Grönemeyer, der für Regisseur Anton Corbijn Musik geschrieben hat, die anders klingt als seine Songs. Großartige, farbig arrangierte Musik ist das, die in "The American" mit Rumbarasseln fasziniert und in "A most wanted man" aufdreht zu Williams-Filmmusik-Format.