Entsorgt im Müllsack: Nur der Zufall rettete neugeborenem Baby das Leben

rnLandgericht Hagen

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist im Ruhrgebiet ein Fall verhandelt worden, bei dem eine Mutter ihr Baby im Müll entsorgt. Das Neugeborene aus Kierspe lebt - aber nur durch Zufall.

Hagen

, 24.11.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Den Kopf hatte Olga O. am Freitag unter einer Decke versteckt, als sie am Freitag in den Gerichtssaal in Hagen trat. Im Juni soll die 31-Jährige ihr neugeborenes Kind einfach seinem Schicksal überlassen haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft der jungen Mutter versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Heimlich soll O. im Badezimmer ihrer Wohnung in Kierspe ein Mädchen zur Welt gebracht haben. Ihr Lebensgefährte und ein gemeinsames Kind hielten sich zwar offenbar ebenfalls in der Wohnung auf. Sie wollen von der Geburt jedoch nichts mitbekommen haben.

Laut Anklage durchtrennte Olga O. nach der Geburt die Nabelschnur, wickelte ihre kleine Tochter in zwei Handtücher und nahm sie mit vor die Tür. „Ich gehe kurz mit dem Hund raus“, soll sie ihrem Freund zugerufen haben. Vor der Haustür stopfte die 31-Jährige das Baby offenbar in eine halbvolle Mülltüte – und lief dann einfach weiter.

Freund bemerkte Blutungen

Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass das Baby seinen ersten Tag auf der Welt überlebte. Als Olga O. nämlich in die Wohnung zurückkam, soll ihr Freund gemerkt haben, dass sie blutete. Der Mann alarmierte einen Rettungswagen, O. kam ins Krankenhaus, wo die Ärzte schnell merkten, woher die Blutungen rührten. Die Klinik alarmierte schließlich die Polizei, die das wimmerte und bereits stark unterkühlte Mädchen aus der Mülltüte zog.

Mutter räumte die Tat ein

Zu Prozessbeginn wollte die Angeklagte am Freitag noch keine großen Angaben machen. Über ihre Verteidigerin Julia Kusztelak ließ sie jedoch erklären: „Der äußere Tatablauf wird eingeräumt.“ Das heißt: Die Geburt, das Verstecken und alles weitere hat genau so stattgefunden. Was die 31-Jährige aber wohl nicht gestehen wird, ist, dass sie den Tod ihres Kindes billigend in Kauf genommen hat.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Erst vor wenigen Tagen ist eine Mutter in Bochum zu einer harten Gefängnisstrafe verurteilt worden. Auch sie hatte ihr neugeborenes Baby im Müll entsorgt.

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