Er führt, sie folgt – meistens

"50 Shades of Grey" im Kino

Das Genörgel der Kritik wird den Fans piepegal sein, wenn jetzt der zweite Teil von "50 Shades Of Grey" ins Kino kommt - "Gefährliche Liebe". Die wollen sehen, wie es auf der Leinwand knistert, während die Schreiberlinge denen predigen, die sowieso nicht ins Kino gegangen wären.

08.02.2017, 19:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mr. Grey geleitet die schöne Ana über einen Maskenball.

Mr. Grey geleitet die schöne Ana über einen Maskenball.

Sei's drum. James Foleys Adaption des zweiten Romans von E. L. James ist nicht so prickelnd, dass man die Leute ins Kino schicken will, andererseits hält der Film sein Stammpublikum bei der Stange. Nicht elegant, nicht originell, nicht besonders fesselnd (um einen müden Kalauer zu bemühen), aber so, dass die "50 Shades"-Zielgruppe im Auf und Ab der Beziehung zwischen Ana (Dakota Johnson) und Christian (Jamie Dornan) mitschwingt und leidlich unterhalten wird.

Mehr aber nicht. In der On/Off-Affäre der beiden war der Ofen aus, am Ende bekam Anastasia kalte Füße wegen all der Fesselspiele und Bestrafungen, die ihr Geliebter im Schlafzimmer zelebriert. Der Märchenprinz mit der Macke lässt aber nicht locker in seinem Werben. Er schickt gelbe Rosen und gratuliert Ana zum neuen Job im Verlag. Auf einer Ausstellung kauft er alle Porträts von Ana und ringt ihr einen Restaurantbesuch zu zweit ab, nur um zu reden, versteht sich.

Neue Erotik-Utensilien

Schon küssen sie wieder und "fummeln" und flüstern heiße Schwüre, und es dauert nicht lang, bis Madame neue Erotik-Utensilien aus des Meisters Kabinett testet. Überhaupt kann man Roman wie Film auch als Gratiswerbung für "Sex Toys" begreifen. Wenn entsprechende Partys der Tupper-Party den Rang ablaufen, hat "50 Shades" sicher seinen Anteil daran.

Was Regisseur James Foley uns an Sex sehen lässt, treibt wohl keinem die Schamesröte ins Gesicht. Es lag mehr Skandal in den entscheidenden drei Sekunden von "Basic Instinct" als in den Schäferstündchen von "Gefährliche Liebe", die - mit Pop-Operetten unterlegt - schöne Menschen ästhetisch fotografiert beim Tête-à-Tête zeigen.

Nicht wirklich im Reich der Sinne

Bevor wir wirklich im Reich der Sinne sind, ist die Szene schon vorbei. Eigentlich ist der Film eine Seifenoper, eine Plastik-Schnulzen-Variation über das Thema "Ich kämpfe um Dich". Grey wird von inneren Dämonen gepiesackt, sein Kindheits-Trauma hat sich in der vernarbten Tabuzone auf seiner Brust manifestiert, die Ana nicht berühren darf - nur mit dem Lippenstift umranden! Handfeste Gebrauchs-Psychologie, die uns kichern lässt.

Dass das Hü und Hott dieser Affäre eine langweilige Sache ist, kaschiert das Drehbuch mit allerlei Spannungs-Placebos: Ana hat eine Stalkerin am Hals, eine von Christians Ex-Sklavinnen. Kim Basinger spielt ein bedrohliches Orakel, ein Helikopter stürzt ab. Kann Ana ihren Freund kurieren? Wie viel Sado/Maso braucht eine erfüllte Beziehung? Fragen, die Teil 3 womöglich beantwortet.

 

 

 

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