Erdogan setzt Handeln Griechenlands mit Nazi-Verbrechen gleich

Flüchtlinge

Der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland spitzt sich weiter zu. Der türkische Präsident Erdogan wählt nun einen Vergleich, der auf scharfe Kritik stoßen dürfte.

Istanbul

11.03.2020, 12:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vergleicht Griechenlands Vorgehen gegen Flüchtlinge mit den Verbrechen der Nazis.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vergleicht Griechenlands Vorgehen gegen Flüchtlinge mit den Verbrechen der Nazis. © picture alliance/dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das Vorgehen der griechischen Behörden gegen Migranten an der Grenze mit den Verbrechen der Nazis verglichen. „Zwischen dem, was die Nazis gemacht haben, und diesen Bildern an der griechischen Grenze besteht gar kein Unterschied“, sagte Erdogan am Mittwoch in Ankara. „Was sie in den Nazi-Camps gemacht haben, machen auch die Griechen im Namen des Westens, geradezu als bezahlte Beamte des Westens“, fügte er hinzu. „Und sie töten auch. Das sind bezahlte Legionäre des Westens.“

Erdogan hatte Ende Februar erklärt, die Grenzen in die EU seien für Flüchtlinge und andere Migranten geöffnet. Daraufhin machten sich Tausende Menschen auf den Weg zur griechischen Grenze, wo noch immer viele von ihnen ausharren. Griechenland drängt die Migranten immer wieder auch mit dem Einsatz von Tränengas zurück. Die Türkei wirft den griechischen Behörden außerdem vor, mindestens zwei Migranten an der griechisch-türkischen Grenze erschossen zu haben. Athen weist das entschieden zurück.

Türkisches Boot rammt griechisches Schnellboot

Bereits am Sonntag war Erdogan Griechenland scharf angegangen und hatte dem Nachbarland vorgeworfen, Migranten, die es in die EU geschafft haben, unrechtmäßig in die Türkei zurückzuschicken, zu „schlagen“, zu „töten“ und zu „foltern“.

Derweil hat ein türkisches Boot der Küstenwache vor der griechischen Insel Kos ein Schnellboot der griechischen Küstenwache mit seinem Bug berührt und seine Reling beschädigt. Wie die griechische Küstenwache am Mittwoch mitteilte, habe sich der Zwischenfall um 05.45 Uhr Ortszeit ereignet. Die Besatzung des türkischen Bootes habe „gezielt die Kollision bezweckt, mit der klaren Absicht es (das griechische Boot) zu rammen“, erklärte schriftlich die Küstenwache in Piräus.

Das Klima zwischen Athen und Ankara ist angespannt

Der Zwischenfall ereignete sich nach griechischen Angaben innerhalb der griechischen Hoheitsgewässer nahe der Mittellinie der Seegrenze mit der türkischen Ägäisküste. Das griechische Boot patrouillierte entlang dieser EU-Seegrenze, um festzustellen, ob Migranten aus der Türkei nach Griechenland übersetzen. Verletzt wurde niemand. Es seien kleinere Schäden am griechischen Boot entstanden, hieß es weiter seitens der griechischen Küstenwache.

Das Klima zwischen Athen und Ankara ist wegen der jüngsten Flüchtlingskrise am Grenzfluss Evros gespannt. In der Ägäis kommt es seit Jahren immer wieder zu ähnlichen Zwischenfällen. Die beiden Nachbarstaaten und Nato-Staaten streiten sich neben der Zypern-Frage seit Jahrzehnten auch um Hoheitsrechte in der Ägäis. 1996 hatte der Streit um die unbewohnten Felseninseln die beiden Nato-Staaten an den Rand eines Krieges gebracht. Ein bewaffneter Konflikt konnte im letzten Moment nach einer diplomatischen Intervention der USA abgewendet werden.

RND