Erfrischend frecher Abend mit den Symphonikern

Silvesterkonzert

Volle Ränge beim Silvesterkonzert im Audimax hatten die Bochumer Symphoniker. Dreifach wurde das Programm mit Chansons von Jacques Brel aufgeführt. Schauspieler und Regisseur Dominique Horwitz begeisterte als Chansonnier, moderierte und verwies Dirigent Steven Sloane auf einen ungewöhnlichen Platz.

BOCHUM

, 02.01.2015, 16:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Erfrischend frecher Abend mit den Symphonikern

Die Zugabe des Silvesterkonzerts im Audimax dirigierte Schauspieler Dominique Horwitz. Für den "Radetzkymarsch" zog sich Maestro Steven Sloan an die große Trommel zurück, nachdem er seinem Gast mit Kniefall den Taktstock angedient hatte.

Horwitz gab freche, unkomplizierte Übersetzungen zu manch französischem Text, zelebrierte diese oft vor Konsonanten strotzend, sich den Möglichkeiten zur Tongebung verweigernd, mit kraftvoller Emotion. Wut, Enttäuschung, aber auch augenzwinkernde Ironie entwickelte er in hervorragender Weise. Erklärte er gerade, er wolle nicht nach Paris „wegen des dauernden Akkordeon-Gedudels“, spielte auch schon eines direkt hinter ihm auf. Mit Brels Worten besang Horwitz Damen und Säufer, Belgiens Hauptstadt und historische Bezüge. Lässig, leicht vulgäre Würze beisteuernd, jede Redewendung auskostend, erklärte er sich selbst bei extrem gemessener Musik zu einem lauen Sommerabend: „Je suis un soir d’été“. Traurig und doch beschwingt hauchte er alten Liebenden Leben ein. Gleich einer großen Erzählung, von der Mandoline im Orchester begleitet, riss Horwitz das Publikum mit „Amsterdam“ hin, erntete gellende Pfiffe der Begeisterung. Ein Chanson über Spießer zum Klavier mündete in einem Gastdirigat: Horwitz am Pult schwang den ihm angedienten Taktstock zum Radetzky-Marsch, während Sloane im Hintergrund die große Trommel bearbeitete. Einfach erfrischend!

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