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Erholung gleich neben der Autobahn

Wandern im Ruhrgebiet

„Wandern ist Trend – und Wandern ist sozial“, sagt Uli Auffermann. Der Bochumer Autor und erfahrene Bergsteiger ermuntert zum Laufen. Das Wandergebiet liegt direkt vor der Haustür. Selbst in der Großstadt gibt es Wanderrouten. Für die Ruhr Nachrichten hat Auffermann einen neuen Weg gesucht, mit vielen Eindrücken auf zehn Kilometern.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 09.08.2012

Autobahnkreuz Bochum. A 40 und A 43 treffen hier aufeinander. Direkt daneben der Ruhr-Park. Mehr Großstadt geht kaum. Hier will Uli Auffermann wandern. Meint er das ernst? Oder ist es die Herausforderung der Extreme, die der 52-jährige, erfahrene Bergsteiger hier sucht? Er meint es ernst. Hier zwischen Beton und Berufsverkehr. Und es dauert keine 100 Meter, bis ich überzeugt bin. Die Großstadt ist grün, ruhig, erholsam und eine Naturoase. Uli Auffermann lacht schelmisch, als wir gemächlich den Parkplatz an den Werner Teichen, direkt an der Werner Straße verlassen. Er sieht den fragenden Blick und zugleich die Neugier in meinen Augen. „Ich war so viele Jahre nur an Süddeutschland interessiert“, sagt er. „Auch ich musste zum Ruhrgebiet gezwungen werden.“ Er liebe den Pott, keine Frage. Es ist seine Heimat. Aber hier wandern…

Vor gut fünf Jahren hat er das Ruhrgebiet auf Wunsch seines Verlages erkundet. Seit diesem Tag ist er hier gern zu Fuß unterwegs. „Der Freizeitwert ist so gigantisch hoch hier“, sagt Auffermann. Keine drei Minuten später hat die Natur die Stadt verschlungen. Kein Brummen der Autobahn, kein Getöse der Massen. Stille und Grillen, die zirpen. Links eine Wiese mit Bäumen, auf der anderen Seite die Harpener Teiche. Kein Haus ist zu sehen. Wäre der Rasen nicht so gut gemäht, der Weg nicht so befestigt und der Zufluss zu den Teichen nicht mit einem Zaun abgesperrt – die Zivilisation wäre vergessen.Stehenbleiben und durchatmen. Schwefelgeruch liegt in der Luft. Direkt neben uns wird das Grubenwasser der Zeche Robert Müser in die Teiche gepumpt. Eigentlich sind die Teiche nur für das Grubenwasser da. Das warme und nährstoffreiche Wasser sorgt für eine besondere Flora und Fauna. „Ein Paradies für Naturkundler“, sagt Uli Auffermann. Wir laufen weiter entlang der Teiche bis zur Bahnstrecke und folgen dem Bahndamm. Ständig neue Eindrücke. Die verspielte Landschaft der Teiche ist der Weite einiger Felder gewichen. Mit jedem Schritt gibt es Neues zu entdecken.

„Wandern ist die ideale Geschwindigkeit, um die Umgebung zu erkunden“, sagt Auffermann. Wandern ist zudem kommunikativ. Egal, ob man mit Freunden oder Familie unterwegs ist. Oder mit Fremden. Auffermann erzählt von seiner Kindheit in Werne. Davon, wie er an den Schlackebergen erste Kletterübungen gemacht hat. „Wenn das mein Vater damals mitbekommen hätte…“. Er lacht. Schritt für Schritt lassen wir die Meter hinter uns liegen. Ohne Anstrengungen. Wandern könne jeder, so Auffermann. In mehreren Büchern hat er Wege in Bochum und im Ruhrgebiet beschrieben. „Ich möchte niemandem eine Route aufzwingen, es ist nur ein Angebot“, sagt er. Es lohne sich genauso, loszumarschieren und die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Verlaufen kann man sich im Ruhrgebiet nicht so schnell und die nächste Pommesbude ist nie weit. „Wandern ist außerdem ein sehr sozialer Trendsport“, so Auffermann. Geld spielt keine Rolle. Feste Schuhe und Regenjacke, Sonnenschutz und ein Pflaster für den Notfall, etwas Wasser zum Trinken – mehr braucht es hier nicht. Und ein paar Stunden Fußmarsch sorgen für einen freien Kopf.