Eric Legnini Trio wandert zwischen den Welten

Klavier-Festival Ruhr

Wie Eric Legnini auf der Bühne der Bochumer Jahrhunderthalle sitzt, erinnert an das Cover von Bill Evans' Album "From Left To Right" von 1970. Beide Jazzpianisten sind hin und hergerissen zwischen großem Flügel und elektrischem Rhodes-Piano. Der Belgier Legnini reist so beim Klavier-Festival Ruhr dem 1980 verstorbenen Amerikaner Evans hinterher in Klangwelten zwischen Soul, Funk, Modern Jazz und Popsong.

BOCHUM

, 31.05.2015, 12:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eric Legnini Trio wandert zwischen den Welten

Das Eric Legnini Trio in der Bochumer Jahrhunderthalle

In einer seiner seltenen Ansagen kommt Eric Legnini auf Herbie Hancock zu sprechen, der mit Chick Corea ebenfalls im Programm des Klavier-Festivals zu erleben ist: Hancock habe das Rhodes-Piano als Jazzinstrument kultiviert, dafür sei er ihm zu Dank verpflichtet.

Weniger wild

Der Belgier ist allerdings etwas weniger wild und ausufernd unterwegs als Hancock, der in den 70er-Jahren mit den Head Hunters Jazz und Funk zu einem aufregenden Gebräu verschmolz.

Den unbändigen Groove, der in der Funk-Musik unerlässlich ist, bändigen Eric Legnini und seine elegante Rhythmus-Gruppe aus Bassist Thomas Bramerie und Schlagzeuger Franck Agulhon im Eröffnungsstück "The Old And Grey". Er ist eher unterschwellig zu spüren und darf nur manchmal aus der Decke aus warmen E-Piano-Klängen hervorlugen und die Oberhand gewinnen.

Leise Töne

Überhaupt ist das Konzert des Trios eins der leisen, fein geordneten Töne. Neben Klassikern zwischen Bebop und Modern Jazz wie Thelonious Monks "Hackensack" spielten sie eigene Kompositionen aus Legninis aktuellem Album "Sing Twice!": Die haben meist die Songstruktur aus dem Pop übernommen und sind eigentlich mit Sänger und größerer Bandbesetzung aufgenommen.

In der Jahrhunderthalle spielt das Trio sie wie Variationen über eigene Standards, die dem Hörer oft bekannt vorkommen: Manchmal klingen sie wie Folksongs aus den 1970ern, manchmal fühlt man sich an den Britpop der 90er erinnert, an die komplexen, meist in Moll gehaltenen Harmonien von Radiohead.

Großer Jubel am Ende für eine Wanderung zwischen den Welten.