"Erlösung“ ist Nervenkitzel mit einer Flaschenpost des Grauens

Im Kino

Eine Flaschenpost taucht auf. Sie war über Jahre im Meer und ist nur in Teilen leserlich: offenbar der Hilferuf eines Kindes. Flasche und Botschaft landen bei Hauptkommissar Carl Moerck und seinem Kollegen Assad vom Dezernat für ungelöste Fälle. "Erlösung" ist der dritte Film nach Thrillern von Jussi Adler-Olsen, düster und beklemmend.

DORTMUND

, 07.06.2016, 10:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Erlösung“ ist Nervenkitzel mit einer Flaschenpost des Grauens

Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas, r.) und Pasgard (Jakob Oftebro) ermitteln in „Erlösung“ im Umfeld christlicher Sekten.

Mit einem Ermittler-Team, das von Film zu Film mehr Farbe gewinnt. Die Charakterzeichnung hat Tiefe und entwickelt Eigenleben. Und sie passt gut zum Naturell der Darsteller, denen nicht bloß irgendwelche Marotten angeheftet werden.

Nikolaj Lie Kaas ist wirklich glaubwürdig als übellaunig deprimierter Hauptkommissar, den einzig noch der Job anspornt. Fares Fares überzeugt in seiner Rolle als Assad als der Mann, der den frustrierten Moerck zu nehmen weiß.

Gespann auf Augenhöhe

Assad macht seine Scherze, er gibt Moerck nicht auf, obwohl er weiß, dass seinem Partner nicht nach Lachen zumute ist. Ein Gespann auf Augenhöhe, von feinerer Chemie als das Hollywood-Modell mit Chef und Sidekick.

Assad und Moerck ermitteln in Richtung verschwundener Kinder. Während sie in der Vergangenheit stochern, wird ein Geschwisterpaar entführt. Der Täter bewegt sich in Kreisen einer christlichen Sekte, die Eltern der Kinder schweigen gegenüber der Polizei. Es ist an Assad und Moerck, sie zum Sprechen zu bringen.

Zwei Haltungen

Ein Moslem ("Ich glaube, dass es Größeres gibt als uns") und einer, der an nichts mehr glaubt, wollen zwei Bibel-Fundamentalisten knacken.

Dass der Moslem tolerant und liebenswert ist, der Kindsvater ein biestiger christlicher Spinner, mag man als Statement von Regisseur Hans Petter Moland verstehen, der beide Haltungen korrespondieren lässt.

Der Wahn, des Teufels Soldat zu sein

Der größte Spinner, dazu eine Bestie ist der Kerl, der Kinder verschleppt. In Rückblenden schimmert sein Motiv durch: Jugendtrauma (na klar), Allmachtsfantasie (immer gut), sein Wahn, des Teufels Soldat zu sein.

Dass das nach Klischee riecht, könnte an Verkürzungen liegen, die bei einem 600-Seiten-Roman unumgänglich waren.

Finale geht unter die Haut

Was im Film erhalten blieb, ist der Nervenkitzel. Überfall im Krankenhaus. Moerck in Fesseln. Endlich ein Tipp, wo an der Küste die Polizei suchen muss. Das Finale geht unter die Haut - solides Thriller-Handwerk aus Skandinavien.