Erst Astrazeneca, dann mRNA-Impfstoff: Wie sicher ist eine Corona-Kreuzimpfung?

Coronavirus

Jüngere Menschen, die eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben, sollen für die zweite Impfung ein anderes Präparat erhalten. Wie sicher schützt eine Corona-Impfung mit zwei Wirkstoffen?

Berlin

30.04.2021, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die World Health Organisation (WHO) sprach Anfang April keine Empfehlung für Kreuzimpfungen mit Astrazeneca und mRNA-Vakzinen aus.

Die World Health Organisation (WHO) sprach Anfang April keine Empfehlung für Kreuzimpfungen mit Astrazeneca und mRNA-Vakzinen aus. © picture alliance/dpa

Nach Verdachtsfällen auf eine Hirnvenenthrombose wird Astrazeneca von der Ständigen Impfkommission (StiKo) in der Regel nur noch für Menschen über 60 Jahre empfohlen. Laut Bundesgesundheitsministerium hatten aber bereits rund 2,2 Millionen Bürger unter 60 Jahren eine Erstimpfung mit dem Vektorimpfstoff erhalten. Diese sollen nun mit einem mRNA-Vakzin, etwa von Biontech oder Moderna, zweitgeimpft werden.

Der Lungenfacharzt und Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Tobias Welte zeigt sich im Interview mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ verwundert über den Beschluss – und plädiert dafür, erste Studienergebnisse aus England abzuwarten, bevor eine Zweitimpfung mit einem anderen Wirkstoff verabreicht wird. Diese würden allerdings erst Mitte Mai vorliegen. Theoretisch glaube er schon, dass die Kreuzimpfung funktioniere, aber als Wissenschaftler stütze er sich vor dem Handeln gerne auf gesicherte Daten, so Welte.

„Ich finde die Zurückhaltung, auch eine Zweitimpfung mit Astrazeneca bei Patienten unter 60 Jahren vorzunehmen, nicht zwingend nachvollziehbar“, sagte Welte der „HAZ“. „Wir brauchen jeden Impfstoff, nichts ist schlechter, als Impfstoff liegen zu lassen und nicht zu verimpfen. Wenn man die Situation in Indien sieht, dort wäre man für jede Impfung dankbar. Unsere Diskussion erscheint dort als Luxusproblem.“

Kreuzimpfung kann Wirkung verstärken

Auch die World Health Organisation (WHO) sprach Anfang April keine Empfehlung für Kreuzimpfungen mit Astrazeneca und mRNA-Vakzinen aus. Es lägen noch keine ausreichenden Daten für mögliche Risiken einer ersten Impfdosis mit Astrazeneca und einem anderen Mittel als Zweitimpfung vor, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris der Deutschen Presse-Agentur.

Leif Erik Sander, Infektiologe an der Charité Berlin, begrüßt dagegen die Empfehlung der Stiko: „Aus immunologischer Sicht kann eine solche Kombination sogar vorteilhaft sein und die Impfantwort des Immunsystems sogar verstärken. Ich erwarte mir von dieser Kombination daher eine gute Sicherheit und eine sehr gute Wirksamkeit mit einem exzellenten Schutz vor der Covid-19-Erkrankung“, sagt er in einem Video auf Twitter.

Konkret empfiehlt der Beschluss der Stiko für Personen unter 60 Jahren eine Zweitimpfung zwölf Wochen nach der Erstimpfung. Nur in Einzelfällen und nach einer individuellen Risikoanalyse mit einem Arzt könne auch Astrazeneca bei der Zweitimpfung verwendet werden.

RND

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