Es bleibt alles anders für die freie Szene

Zukunft der Rotunde

Die Rotunde im ehemaligen Katholikentagsbahnhof war in den vergangenen fünf Jahren ein Spielplatz für die freie Kultur-Szene und Party-Veranstalter, aber auch Hoffnungsträger: Sie wurde als Magnet für ein neues Kreativquartier oder Zentrum eines innerstädtischen Campus gehandelt. Was wird aus ihr, wenn sie aus dem Dornröschenschlaf erwacht?

BOCHUM

, 30.05.2015 / Lesedauer: 3 min
Es bleibt alles anders für die freie Szene

Die Rotunde war in den letzten fünf Jahren beliebter Spielplatz der freien Kulturszene.

„Wir sind auf der Zielgeraden“, sagt Andreas Kellner optimistisch. Er ist Geschäftsführer der Rotunde, die Bermuda-Dreieck-Gastronom Leo Bauer gehört. „Es kann nur noch ein bis zwei Wochen dauern bis uns die Baugenehmigung vorliegt. Dann wissen wir genau, welche Maßnahmen wir für die Wiedereröffnung umsetzen müssen.“

Die Hoffnung ist, dass die Rotunde, deren erste Baugenehmigung auf eine Zwischennutzung von fünf Jahren ausgelegt war, noch in diesem Jahr wieder bespielt werden kann. Laut Andreas Kellner soll sie auf jeden Fall als Kultur- und Party-Spielort erhalten bleiben. Veranstaltungen wie zum Beispiel der Garten Freede oder das Festival N.A.T.U.R. sind ausdrücklich weiter erwünscht.

Professionalisierung

Durch die Umbaumaßnahmen und eventuelle personelle Umbesetzungen werde jedoch auch eine Professionalisierung im Veranstaltungs-Geschäft einhergehen – allein, um die Kosten einzuspielen, die etwa die Installation einer vernünftigen Heizungsanlage verursacht.

„Bisher haben wir die Vermietung der Rotunde für Firmenveranstaltungen, private Feiern oder rein kommerzielle Veranstaltungen wie Modenschauen kategorisch ausgeschlossen“, sagt Andreas Kellner. In Zukunft stehe der Raum jedoch auch für diese Art von Veranstaltungen zur Verfügung.

Kein Thema mehr ist die Location hingegen beim Thema Vernetzung der Hochschulen mit der Innenstadt. Im Nachklang der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 eröffnete dort unter großem Tamtam im August 2012 das „C60“, ein neuer Raum an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft.

Ansiedlung von kreativer Ökonomie

Auf der Webseite des anscheinend ortsungebunden arbeitenden C60 werden nur noch Veranstaltungen in Berlin oder Dessau angekündigt. Kulturdezernent Michael Townsend sagt: „Die Strukturen haben sich nicht etabliert. Die Stadt konnte es nicht dauerhaft finanzieren.“

Die Brachfläche um die Rotunde steht laut Michael Townsend weiter zur Vermarktung – für die Ansiedelung von kreativer Ökonomie. Eine Umnutzung im Sinne des einst propagierten Konzepts „City Campus Süd“ sei jedoch weiter denkbar.

Andreas Kellner scheint nicht mehr an diese Zukunftsvision zu glauben: „Wir haben einiges dafür getan, dass sich die Rotunde als Zentrum zwischen Kunst und Wissenschaft etabliert. Es ist schade, dass sich die Hoffnungen nicht erfüllt haben.“

„Attraktive Lage“

Hoffen lässt hingegen dass sich in einem bereits sanierten Raum zwischen Rotunde und dem Club Riff die Event Media Group angesiedelt hat, die durchaus unter dem Begriff „kreative Klasse“ zu fassen ist.

Kulturdezernent Townsend sieht das Gelände in einer Achse mit dem nun voll entwickelten Springerplatz, dem Open Space von Urbanatix in der ehemaligen Spielefabrik an der Bessemer Straße, zwischen Schauspielhaus und dem bald eröffnenden Musikzentrum: „Es ist eine attraktive Lage, um die herum alles in Bewegung ist.“ 

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