Es donnert in Ägypten: Uraufführung von "Moses muss singen"

Halbstark-Festival

MÜNSTER Halbstark ist ein neues Festival für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren, die an der Grenze zum Erwachsenwerden stehen. Doch beim Auftakt am Mittwochabend in Münster erlebten sie ausgerechnet die Schattenseiten des Erwachsenseins: Sie mussten sich erstmal ziemlich langweilige Reden anhören. Dann folgte die Uraufführung einer zeitgenössischen Oper. Ganz schön harter Stoff.

von Von Sabine Müller

, 04.11.2010, 21:27 Uhr / Lesedauer: 3 min
Elvira Bill als Pharao und Raphael Blume als Moses: Der fiese Herrscher hat den zaudernden Jüngling nicht mehr lange im Griff.

Elvira Bill als Pharao und Raphael Blume als Moses: Der fiese Herrscher hat den zaudernden Jüngling nicht mehr lange im Griff.

Gesanglich sticht vor allem Elvira Bill als Pharao hervor. Raphael Blume gibt den stotternder Moses zaudernd, zart und sensibel, stimmlich hat er Kraft. Maximilian Strestik als sein aufgedrehter Bruder Aaron mimt den Schnellsprecher und Faxenmacher. Ein Clown, der für den Slapstick- und Unterhaltungswert des Abends unerlässlich ist. Er lässt mit dem Publikum Regen und Donner über Ägypten niedergehen und lehrt Zungenbrecher. Schön angelegt sind auch die Rollen von Nadine Sträter und Sebastian Seitz, die stellvertretend für das Volk Israel mit ihren Handlungen die Stimmung färben: von verzweifelt bis aufrührerisch. Schauspielerisch allerdings haben sie alle durchweg noch Platz nach oben. Gestik, Mimik und Artikulation wirken stellenweise sehr aufgesetzt und überzeichnet, als ob Regisseur Johannes Bergmann der Geschichte, der Dramaturgie, den Farben der Musik oder gar dem Publikum nicht traue. Aber auch wenn er sich bei manchen Szenen verzettelt oder wie bei der ewig langen Prügelszene zwischen Aaron und Moses weit übers Ziel hinausschießt: Die Botschaft, dass man den Mut haben sollte, Entscheidungen zu treffen ohne zu wissen, was daraus folgt, ist angekommen. Ein Extra-Lob geht an die 5c des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums für das toll gestaltete Programmheft.

  • „Moses muss singen“ wird am 17. November um 19.30 Uhr in einer Fassung für Jugendliche ab 14 Uhr noch einmal uraufgeführt. Weitere Vorstellungen: 25. November um 19.30 Uhr, am 26. November um 11 Uhr und am 10. Dezember um 11 Uhr, jeweils im Kleinen Haus der Städtischen Bühnen.
  • Am Freitag (5. November) ist „Da/Fort“ im Begegnungszentrum Meerwiese in Münster zu sehen: 14 und 17 Uhr. Die Vorstellung der belgischen Theater-Zirkus-Compagnie Circ’ombelico ist eine stille Performance, bei der die Akrobatik zählt. Die Zuschauer sitzen im Bauch eines Oldtimer-Trucks. Ein Raum so groß wie ein Schuhkarton. Auch So, 16 Uhr und Mo 14 und 17 Uhr.
  • Am Freitag (5. November) um 19 Uhr gibt es „Titus“ im Kleinen Haus: ein Porträt eines Jungen in der Pubertät, der sein Glück selbst in die Hand nehmen muss. Ab 12 Jahren.
  • Das Halbstark-Festival bietet noch bis zum 10. November Theater für Kinder von 9 bis 13 Jahren in den Städtischen Bühnen Münster, im Begegnungszentrum Meerwiese sowie Gastveranstaltungen in Enschede.