"Es geht um Existenzen"

Interview mit Ernst-Otto Stüber

Sollten die VfL-Kicker nicht in der Lage sein, in den noch verbleibenden vier Meisterschaftsspielen die notwendigen Punkte zum Klassenerhalt zu holen, hätte das gravierende Folgen für die weitere Entwicklung des VfL Bochum. Das machte der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Stüber im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten deutlich.

BOCHUM

12.04.2012, 22:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ernst-Otto Stüber, Vorsitzender des VfL-Aufsichtsrates, macht im Gespräch deutlich, dass ein Abstieg für den Verein dramatische Konsequenzen hätte.

Ernst-Otto Stüber, Vorsitzender des VfL-Aufsichtsrates, macht im Gespräch deutlich, dass ein Abstieg für den Verein dramatische Konsequenzen hätte.

Haben Sie Erklärungen für den Abwärtstrend, der den VfL seit Wochen treu begleitet?

Ernst-Otto Stüber: Wir sind als Aufstiegskandidat in die Saison gestartet und müssen jetzt sehen, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Das ist schon eine deprimierende Entwicklung. Es gibt sicher einige Gründe dafür, zum Beispiel, dass wir von unglaublichem Verletzungspech gebeutelt sind. Der Trainer hat ja kaum noch 15 Leute zusammen und muss Spieler aufstellen, die von ihrer gesundheitlichen Verfassung her noch gar nicht so weit sind. Hätten wir Spieler, wie Aydin, Azaouagh oder Delura gesund zur Verfügung, müssten wir den Klassenerhalt jetzt gar nicht mehr thematisieren.

Welche Möglichkeiten haben Sie als Verantwortliche im Verein überhaupt noch, um den Spielern den Ernst der Lage zu verdeutlichen?

Stüber: Trainer und Sportvorstand haben der Mannschaft mehr als deutlich gesagt, dass sie mehr Leidenschaft und Einsatz erwarten und von den Spielern sehen wollen, dass sie bereit sind, alles für den VfL Bochum zu geben. Wir müssen unbedingt aus diesem Abwärtsstrudel herauskommen, damit wir uns anschließend für die neue Saison neu sortieren und aufstellen können. Wir können es uns überhaupt nicht erlauben, in die dritte Liga abzusteigen.

Welche Konsequenzen hätte denn ein möglicher Abstieg für den VfL?

Stüber: Wir sind in die Saison gestartet, um wieder in die erste Liga zurückzukehren. Wir haben schnell erkennen müssen, dass es damit nichts werden würde und wollten uns dann in der zweiten Liga stabilisieren. Jetzt noch in die dritte Liga abzurutschen, wäre für uns eine Katastrophe. Das hätte dramatische finanzielle Konsequenzen. Die Sponsorenverträge haben nur Gültigkeit für die 1. oder 2. Liga. Wir müssten völlig neue Finanzpläne erstellen, daran mag hier eigentlich niemand denken. Auch die Spieler müssen erkennen, dass es hier nicht nur um ihre, sondern auch um die Arbeitsplätze unserer Angestellten in der Verwaltung geht.

Kritik der Anhänger zielt jetzt auch verstärkt auf die Sportliche Leitung um Vorstand Jens Todt und Trainer Andreas Bergmann...

Stüber: Beiden sind keinerlei Vorwürfe zu machen. Sie sind in einer schwierigen Phase zum VfL gekommen und hatten in Bezug auf den Kader nur eingeschränkt die Möglichkeit zur Einflussnahme. Sie passen zum VfL Bochum und werden den Kader neu aufstellen mit ehrgeizigen, jungen Spielern, die in unserer Region verankert sind. Das ist der Weg, den wir gehen wollen.

Es deutet sich an, dass die Mannschaft am Sonntag beim Spiel gegen 1860 mit deutlicher Kritik der Fans rechnen muss...

Stüber: Wie unsere Fans sehen auch wir, dass die Lage schwierig ist. Aufsichtsrat und Vorstand haben natürlich diskutiert, was noch getan werden kann, um Schlimmeres zu verhindern. Aber gewaltige Veränderungen sind eben nicht möglich. Jeder einzelne in der Mannschaft muss sich bewusst sein, dass Existenzen auf dem Spiel stehen. Er muss jetzt auf dem Platz dieser Verantwortung gerecht werden. Der Klassenerhalt ist das letzte Ziel, das in dieser Saison für uns noch erreichbar ist. Und dieses Ziel erreichen wir leichter, wenn unsere Fans in diesen entscheidenden Spielen zur Mannschaft stehen.