Es gibt keine Erlösung nach dem schrecklichen Mord

Ruhrtriennale

Der große belgische Theater-Regisseur Ivo van Hove hat die Maschinenhalle der Gladbecker Zeche Zweckel in eine Empfangs- oder Wartehalle verwandelt. Die Figuren seiner sehr sehenswerten Inszenierung von Louis Couperus' Roman "Die Dinge, die vorübergehen" sitzen darin fest, "das Ding" will einfach nicht vorübergehen.

GLADBECK

, 17.09.2016, 16:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Es gibt keine Erlösung nach dem schrecklichen Mord

Die Toneelgroep Amsterdam beeindruckte mit einem intensiven Spiel bei der Ruhrtriennale.

Das Ding" ist im Sprachgebrauch der weit verzweigten Den Haager Familie Synonym für einen lange zurückliegenden Mord, der die nachfolgenden Generationen belastet. Aus Leidenschaft, glühender Liebe und brodelndem Hass, haben Großmutter Ottilie und ihr Liebhaber Takma vor 60 Jahren ihren Ehemann umgebracht.

Konflikte schwelen unter der Oberfläche

Es geschah in einer anderen Zeit und einem anderen Leben - in der Kolonie Niederländisch-Indien, von der Ivo van Hove vergangenes Jahr im Programm der Ruhrtriennale erzählte - ebenfalls nach einem Couperus-Roman.

Auch in der neuen Adaption erzählt er die schwelenden, nach und nach durch die Oberfläche sengenden Konflikte seiner Figuren mit starken Bildern. Auf Stuhlreihen am Rand beobachten die jüngeren Mitglieder der Familie das quälend langsame Vorbeiziehen der Alten. Das Publikum beobachtet sich selbst in einem Spiegel, der die Rückwand ausfüllt.

Intensives Spiel

Dieses Bild mag abgegriffen erscheinen, macht aber Sinn: Wenn der Zuschauer seine eigenen familiären Bindungen überprüft, wenn er sich fragt, wie stark er von den Geschicken der Ahnen beherrscht wird, von ihrer Schuld und ihrer Fähigkeit zu Liebe, Leidenschaft und Glück.

Wenn am Ende Lot aus der jüngsten Generation in einem Meer aus Trockennebel versinkt, wird klar, dass Erlösung auch durch die Beichte des schrecklichen Mordes nicht einfach zu haben ist. Kurzer, heftiger Applaus für eine starke Regie und intensives Spiel der Toneelgroep Amsterdam.

: 23./ 24.9.; Karten: Tel. (0221) 280210