Esel auf Abwegen

Tierischer Polizeieinsatz

Ein ungewöhnlicher Gast hat jetzt an einer Tankstelle in Herbede für Wirbel gesorgt. Kurz darauf wurde er mit einem Abschleppseil an den Streifenwagen gebunden: Ein Esel war in der Nacht ausgebüxt.

HERBEDE

08.07.2014 / Lesedauer: 3 min

Am Dienstag drehte sich in Herbede alles um Pauline. Journalisten von Zeitungen und Fernsehsendern kamen, um das kurzzeitig entlaufene Tier zu sehen. Die vierjährige Eselsdame vom Kinderheim Johanna-Ruß-Haus war nachts aus dem Stall ausgebüxt und fand erst über Umwege den Weg zurück nach Hause. „Bis um 2.20 Uhr am 8. Juli liegt eine tierische Ruhe über dem Wittener Stadtteil Herbede. Einbrüche, Verkehrsunfälle, Sachbeschädigungen – alles Fehlanzeige“, so steht es in der Polizeimeldung. Dann trabt Pauline in die Ruhe hinein. Es geht ein Anruf bei der Polizei ein: Mehrere Zeitungsboten hatten auf dem Gelände der Aral-Tankstelle einen Esel entdeckt und hielten ihn mit vereinten Kräften fest, bis der Streifenwagen eintraf.

Damit sie nicht erneut ausbüxt, banden die Polizisten den Esel zunächst mit einem Abschleppseil am Streifenwagen fest und versorgten ihn mit Wasser und Brötchen. Da niemand wusste, wem der flüchtige Vierbeiner gehört, versuchten die Polizeikollegen der Wittener Wache den Besitzer der Eselstute zu ermitteln. „Die haben bei den umliegenden Bauernhöfen angerufen und sogar beim Zirkus, der momentan in Sprockhövel Halt macht. Aber das wäre wohl ein bisschen zu weit gewesen“, berichtet Elisabeth Schneider, Leiterin des Kinderheims. Von ihrer Einrichtung in der Rüsbergstraße bis zur Araltankstelle sind es gut 1000 Meter. Die schienen für Pauline kein Problem zu sein. „Sie lebt seit gut einem Jahr hier, zusammen mit dem 13-jährigen Peppino. Der hat Gesellschaft gebraucht“, sagt Rahel Antz. Sie ist Mitarbeiterin im Kinderheim, wohnt dort mit ihrer Familie und kümmert sich um die drei Ponys und die zwei Esel, die auf der Weide leben. „Pauline ist ein ganz lieber Esel und eigentlich besonders schüchtern. Sie geht ohne Peppino nirgendwo hin, deswegen wundert es mich, dass sie ausgebüxt ist“, sagt Antz, die in ihrer Ausbildung zur Fachtherapeutin für tiergestützte Therapie ist. Der Esel soll eingeritten werden und bei der Entwicklung der Kinder helfen. Deswegen soll die Weide jetzt „doppelt und dreifach gesichert werden“.

Wie der Esel das Gelände verlassen konnte, weiß sie nicht. „Esels-Schläue. Sie muss irgendwie das Gatter geöffnet haben“, sagt Antz und lacht. Während Pauline schon lange unterwegs war, schliefen Antz und ihr Mann noch. „Aber irgendwie beschlich mich ein komisches Gefühl um sechs Uhr. Ich dachte zuerst, die Ponys sind weg. Also habe ich nachgeschaut und gesehen, dass Pauline weg war.“ Zwei Stunden lang suchten sie den Esel. Die Kinder, die im Heim wohnen, bekamen das nicht mit. „Es sind ja Ferien, da schlafen sie auch länger“, sagt Schneider. Während Rahel Antz bei der Suche nach dem Esel schon nervös wurde, ging es Pauline sehr gut.

Die Polizei hatte sich zwischen fünf und halb sechs nämlich an Margarethe Deiseroth gewandt. Die wohnt auf dem Hof über der Tankstelle und unter dem Kinderheim. „Die Feuerwehr weckte mich und sagte, dass sie einen Esel gefunden habe“, sagt Deiseroth. „Ich dachte, das wäre unser Esel Johann, aber der stand noch im Stall.“ Trotzdem nahm sie Pauline kurzzeitig zu sich, eine Box im Stall war ohnehin noch frei. „Es konnte ja eigentlich nur der Esel vom Zirkus oder vom Kinderheim sein. Bis das geklärt war, habe ich sie gerne aufgenommen. Immerhin fängt um sechs ja der Verkehr an, da gehört ein Esel nicht an eine Tankstelle.“ Im Kinderheim waren alle froh, dass Pauline wieder auf ihrer Weide ist. Auch Peppino. „Der stand schon ganz bedröppelt in seiner Box“, so Rahel Antz. „Was hat sie denn an der Tankstelle gewollt?“, fragt Rasmus, ihr fünfjähriger Sohn. Das wird wohl Paulines Geheimnis bleiben.

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