EU-Arzneimittelbehörde: Astrazeneca sicher - Warnhinweis soll aufgenommen werden

Coronavirus

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA vertraut dem Coronavirus-Impfstoff von Astrazeneca nach wie vor. Allerdings soll ein Warnhinweis aufgenommen werden.

Amsterdam

18.03.2021, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
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Eilmeldung: Sobald wir weitere Informationen haben, berichten wir an dieser Stelle weiter. © picture alliance/dpa

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) sieht nach aktuellem Stand keine Beweise dafür, dass Impfungen mit dem Mittel des Herstellers Astrazeneca Blutgerinnsel verursachen. Man sei fest davon überzeugt, dass die Vorteile der Astrazeneca-Impfung gegen das Coronavirus die Risiken durch die Erkrankung Covid-19 überwögen, sagte EMA-Chefin Emer Cooke am Donnerstag.

Das Gremium ist auf Grundlage wissenschaftlicher und klinischer Daten weiterhin der Auffassung, dass das Vakzin „sicher und effektiv“ sei. Der Astrazeneca-Impfstoff sei eine sichere und wirksame Option zum Schutz der Bürger vor Covid-19.

Es werde aber eine extra Warnung vor möglichen seltenen Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen bei den möglichen Nebenwirkungen aufgenommen. Die Ema-Experten seien zu dem Schluss gekommen, dass das Gesamtrisiko für Blutgerinnsel nicht gestiegen sei, sagte Sabine Straus, Vorsitzende des Risk Assessment Committees.

Beobachtungsstudien zu Astrazeneca geplant

Es bleibt aber eine Unsicherheit. Die vorliegenden Beweise reichten derzeit nicht aus, um mit Sicherheit zu schließen, ob diese unerwünschten Ereignisse tatsächlich durch den Impfstoff verursacht werden oder nicht. Es brauche deshalb weiter erhöhte Aufmerksamkeit für das Auftreten solcher Vorfälle. „Wir starten auch zusätzliche Untersuchungen, um mehr über diese seltenen Fälle zu erfahren, und führen gezielte Beobachtungsstudien durch“, kündigte Cooke an.

Die EMA-Experten hatten das Vakzin auf den Prüfstand gestellt, nachdem Deutschland und andere Länder die Impfungen damit wegen mehrerer Thrombose-Fälle ausgesetzt hatten. In Deutschland gibt es inzwischen 13 gemeldete Fälle solcher gefährlicher Blutgerinnsel in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen, wie das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mitteilte. Drei verliefen tödlich. Insgesamt handele es um zwölf Frauen und einen Mann zwischen 20 und 63 Jahren.

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Die Bewertung der EMA soll bindend sein, wie das Ressort von Minister Jens Spahn (CDU) am Vortag mitgeteilt hatte. Beraten würden auch noch die Ständige Impfkommission (Stiko) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Spahn und der Präsident des in Deutschland für solche Zulassungen zuständigen PEI, Klaus Cichutek, wollen sich nach der EMA-Entscheidung direkt zu den Konsequenzen äußern.

Vor der EMA-Verkündung hatten die Weltgesundheitsorganisation WHO und der Hersteller selbst erklärt, dass keine Belege für einen erhöhtes Risiko des Vakzins für Thrombosen vorlägen. Nach Angaben des Unternehmens gab es bisher 37 Berichte über Blutgerinnsel unter mehr als 17 Millionen Geimpften in der EU und in Großbritannien.

Diese Zahl sei viel geringer, als es bei einer Bevölkerung von dieser Größe „auf natürliche Weise“ zu erwarten wäre. Zudem sei sie ähnlich niedrig wie bei anderen zugelassenen Coronavirus-Impfstoffen, argumentierte der britisch-schwedische Konzern.

WHO Europa: Nutzen und Risiken in der Pandemie abwägen

Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO warnte nach dem vorübergehenden Aussetzen des Einsatzes des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca in mehreren Ländern vor voreiligen Schlüssen.

„In Impfkampagnen ist es Routine, potenzielle unerwünschte Ereignisse zu melden. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass die Ereignisse mit der Impfung in Verbindung stehen“, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag auf seiner Online-Pressekonferenz in Kopenhagen. Dass solche Fälle entdeckt, untersucht und bewertet würden, sei ein Zeugnis für die genauen Überwachungs- und Regulierungsmechanismen.

Bislang wisse man nicht, ob einige oder alle der Erkrankungen durch die Impfung oder andere Faktoren verursacht worden seien, sagte Kluge. „Zu diesem Zeitpunkt überwiegen allerdings die Vorteile des Astrazeneca-Impfstoffes klar dessen Risiken. Und sein Gebrauch sollte fortgesetzt werden, um Leben zu retten.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten wollen sich an diesem Freitag per Telefonkonferenz zusammenschalten. Beraten werden soll über den Fortgang der Impfkampagne in Deutschland. Auch über den Zeitplan für einen breiten Impfstart in Arztpraxen soll dabei beraten werden.

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