"Every Thing Will Be Fine": Wim Wenders vergößert Emotionen in 3D

Filmpremiere bei der Berlinale

Mit dem Namen Wim Wenders sind vor allem große Erinnerungen verbunden. Nun wird dem deutschen Regisseur mit Hollywood-Karriere bei dieser Berlinale der Ehren-Bär verliehen. Dort war auch Wenders' jüngstes Werk "Every Thing Will Be Fine" zu sehen.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 10.02.2015, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Every Thing Will Be Fine": Wim Wenders vergößert Emotionen in 3D

Rachel McAdams und James Franco im Film »Every Thing Will Be Fine« von Wim Wenders.

Mit dem Namen Wim Wenders sind vor allem große Erinnerungen verbunden. An Peter Falk zum Beispiel, wie er in „Der Himmel über Berlin“ über die Brachfläche am Potsdamer Platz wandert, wo heute die Berlinale stattfindet und alles aus Hochhäusern, Glasfassaden und Pomp besteht. Ein Film, der jetzt neben anderen Wenders-Werken noch einmal in einer Hommage zu sehen ist. Dem deutschen Regisseur mit Hollywood-Karriere wird bei dieser Berlinale der Ehren-Bär verliehen. Allemal verdient.

Schuld, Vergebung, Ausbeutung

Freilich lohnt sich bei Wenders nicht nur der Blick zurück. Sondern auch der aufs Hier und Jetzt. Damit nicht alles in Nostalgie versinkt, war im Wettbewerb (wenn auch außer Konkurrenz) das jüngste Werk des Regisseurs zu sehen, „Every Thing Will Be Fine“.

Die Geschichte stammt von dem jungen norwegischen Drehbuchautor Bjørn Olaf Johannessen und spielt im verschneiten Kanada. Hier quält sich Schriftsteller Tomas (James Franco) mit einer Blockade. Eines Tages übersieht er während einer Autofahrt durch den Schnee zwei Kinder auf dem Schlitten. Nur eines überlebt.

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In den Jahren nach dem Unfall geht es zwar mit Tomas‘ Karriere bergauf. Aber er kommt nicht ins Reine mit der Mutter des toten Kindes (Charlotte Gainsbourg) und ihrem verbliebenen Sohn. Schuld, Vergebung, Ausbeutung der Tragödie durch die Kunst – große Wenders-Themen, auch wenn „Every Thing Will Be Fine“ sicher nicht sein stärkster Film ist.

Gefühlsfrostiger Ton

Was sich nicht ganz erschließt: warum der Regisseur nach seiner Tanz-Dokumentation „Pina“ wiederum in 3-D gedreht hat. Schon klar, man soll möglichst tief in die Welt der Figuren eintauchen. Aber dazu braucht es eigentlich keine Effekt-Brillen.

Auf der Pressekonferenz, wo der Regisseur in Begleitung seiner Stars James Franco und Charlotte Gainsbourg erschien, sagte Wenders mit Blick auf den gefühlsfrostigen Ton seines Films: „3-D vergrößert alles, auch die Emotionen“. Und gab sich ansonsten demonstrativ bescheiden. Wenders, inzwischen ja wieder wohnhaft in Berlin, forderte die Journalisten auf, doch lieber Fragen an seine Schauspieler zu stellen statt an ihn: „Ich bin doch die ganze Zeit hier“.

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