Evgeny Chubarov zeigt den Rhythmus der Farbe

Osthaus Museum Hagen

Rätselhaft und magisch ist die Kunst des Russen Evgeny Chubarov. Auf den ersten Blick erinnern einige der großen Ölgemälde des vor vier Jahren gestorbenen Künstlers an Partituren von Mauricio Kagel. Von Musik geprägt sind die Arbeiten auch, allerdings mehr von Jazz und der Improvisation.

HAGEN

, 28.07.2016 / Lesedauer: 3 min
Evgeny Chubarov zeigt den Rhythmus der Farbe

Dieses große Diptychon von Evgeny Chubarov ist eines der 60 Gemälde in der Ausstellung im Hagener Osthaus Museum.

60 Ölgemälde und 64 Zeichnungen präsentiert das Hagener Osthaus Museum ab Samstag in der ersten Museumsausstellung des hier nahezu unbekannten Künstlers. Museumsdirektor Tayfun Belgin wurde auf den Künstler kurz nach dessen Tod 2012 aufmerksam und war begeistert, weil dies Malerei sei, die es bei uns so nicht gäbe.

Die Berliner Arbeiten ("The Berlin Works"), die in fünf Räumen auf zwei Etagen des Museums zu sehen sind, sind deshalb so spannend, weil Chubarov mit seiner Auswanderung 1989 von Moskau nach Berlin seinen Malstil komplett geändert hat. Einige figürliche Bilder aus den 70er-Jahren mit viel Fleisch und Menschenmassen, aus denen sich Individuen in den Vordergrund schieben, sind auch in Hagen zu sehen.

Befreiung mit dem Pinsel

Die Enge der ehemaligen Sowjetunion, den Drang der Menschen nach Freiheit, sieht man den frühen Bildern an. Wenige Jahre später in Berlin hat sich Chubarov dann mit dem Pinsel und wilden Farbornamenten befreit. Seine großen Formate haben keine Bildmitte, sind labyrinthisch und scheinen sich über die Bildränder hinaus ins Unendliche fortzusetzen.

Mit einem feinen Pinsel hat der 1934 geborene Künstler zunächst auf den Leinwänden gezeichnet. Und die Linien dann mit Farbflächen übermalt. Pastos, direkt aus der Tube, hat Chubarov Farbe üppig aufgetragen oder in den Schwarz-Weiß-Arbeiten verwischt, sodass ein Marmor- oder Schiefer-Effekt entsteht. Kontrolliert wild ist sein Malstil. Und sehr rhythmisch.

Seherlebnis Zeichnung

Die Zeichnungen, die Anfang des 21. Jahrhunderts, nach Chubarovs Rückkehr nach Moskau entstanden sind, sind ein Bindeglied zwischen der frühen Malerei aus Moskau und der in Berlin. Sie sind abstrakt wie die Malerei aus Berlin und figürlich wie die Werke aus den 70ern. In einem Fries hat das Museum sie nebeneinander gehängt, abwechselnd die gegenständlichen und abstrakten - ein spannendes Seherlebnis.

Der Moskauer Galerist Gary Tatintsian ist der Sammler von allen Arbeiten. Er kommt zur Eröffnung am Samstag. Drei weitere Ausstellung sind im Osthaus Museum auch noch zu sehen, unter anderem der "Rote Raum".Julia Gaß

: "Evgeny Chubarov - The Berlin Works", 30.7. (Eröffnung um 16 Uhr) bis 2. Oktober, Museumsplatz 1, Di-So 11-18 Uhr, Fr 11-18 Uhr.