Ewig lockt das Abenteuer Jugend

Neu im Kino

Die New Yorker Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) sind Mitte 40. Wie kommt es, dass Josh plötzlich Hipster-Hüte trägt und Cornelia Hip-Hop tanzt? Nun, die beiden haben ein 20 Jahre jüngeres Paar kennengelernt und sich mit dem Virus beschwingter Jugendlichkeit infiziert.

02.08.2015, 14:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ewig lockt das Abenteuer Jugend

Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) in einer Szene des Kinofilms „Gefühlt Mitte Zwanzig“

Wie ein Leben auf eingefahrenen Gleisen in neue Bahnen gerät, erzählt Noah Baumbach ("Frances Ha") in seiner erfrischenden Generationen-Komödie "Gefühlt Mitte Zwanzig". Man soll ja mit Etiketten vorsichtig sein, aber Baumbach (45) könnte ein neuer Woody Allen werden.

Sein Film hat die Smartheit des Ostküsten-Intellektuellen, er vereint Esprit und Lässigkeit, der Humor wirkt wie beiläufig, hat aber Tiefe. "Gefühlt Mitte Zwanzig" markiert ein seltenes Beispiel intelligenten Wohlfühl-Kinos, das glänzend unterhält, ohne das Niveau in die Niederungen blanker Kasperei abzutäufen.

Lebensgefühle kollidieren

Baumbach lässt das Lebensgefühl der "Fourty-" mit dem der "Twentysomethings" kollidieren. Hier die Mittvierziger, ausgestattet mit Erfahrung und Routine, die Dinge kühl reflektierend. Dort die Twens Jamie (Andy Driver) und Darby (Amanda Seyfried), die machen und tun, ohne groß abzuwägen.

Irgendwie bezeichnend, dass Josh acht Jahre an einer Doku herumdoktert, während der Guerilla-Filmer Jamie sofort Ergebnisse produziert. Haben wir verlernt, spontan und begeistert zu sein, fragen sich Josh und Cornelia? Sie genießen den frischen Wind, der mit den neuen Freunden durch ihren Alltag weht.

Händchen für Ironie

Dass auch Youngster einen Karriereplan verfolgen, wird Josh noch merken. Vorher stürzt er sich in das Abenteuer gefühlter Verjüngung, das der Film mit feinem Händchen für Ironie und Situationskomik ausmalt. Unter Kichern sehen wir, wie das Quartett ein schamanisches Seminar absolviert, wo Peyote zu Selbsterfahrung und Erbrechen führt - köstlich.

Baumbach schleust sogar einen Diskurs über die Ethik des Dokumentarischen ein. Ein Pluspunkt mehr für diese clevere, prima gespielte, sympathische Humoreske.

 

 

 

 

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