Die Eissporthalle ist bewusst kaputt „gefahren“ worden – diesen Vorwurf hat Ivars Weide bereits Ende Juni erhoben. Jetzt geht der ehemalige Eishallen-Chef noch einen Schritt weiter und unterstellt der WBU und den Pächtern Absprachen, die das Aus der Eishalle zum Ziel gehabt hätten.

Unna

, 18.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Vorwürfe gegen die Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) in Sachen Eissporthalle reißen nicht ab: Jetzt meldet sich Ivars Weide erneut zu Wort. Ende Juni hatte der ehemalige Geschäftsführer der Sport- und Bäderbetriebe GmbH – einem Vorgänger der WBU – bereits scharfe Kritik an den plötzlichen Schließungsplänen für die Halle geäußert und dabei die Wirtschaftsbetriebe scharf angegriffen. Die WBU habe die Halle einfach schleifen lassen und somit von langer Hand das Aus für den Eissport in Unna geplant, so sein Vorwurf.

Diesen erneuert er nun und geht dabei noch einen Schritt weiter: „Das Aus der Eissporthalle hat die WBU lange geplant. Und das bezieht sich nicht nur auf das bewusste Kaputt-Fahren der Eisaufbereitungsanlage, sondern meiner Meinung nach auch auf das Verhältnis zu den Pächtern. Es passt doch gut, dass die WBU jetzt einen Überschuss in ihrer Jahresbilanz von 2017 hat, wo sie eine Abschlagssumme an die Pächter zahlen muss, weil die Eissporthalle geschlossen wird.“ Weide ist überzeugt, dass diese Abschlagszahlung an die Pächterfamilie bereits fest im Etat der WBU eingeplant bevor, lange bevor die Öffentlichkeit von der Kündigung des Pachtvertrages und damit dem Aus für die Eissporthalle erfuhr.

Ex-Eishallen-Chef in Unna sieht „grobe Fahrlässigkeit“

Ivars Weide ist ehemaliger Geschäftsführer der Sport- und Bäderbetriebe GmbH und war in den 1980er-Jahren für die Eissporthalle verantwortlich.

Indizien dafür, dass das Aus der Eissporthalle von langer Hand geplant sei, sieht Weide unter anderem auch darin, dass seit dem Ratsbeschluss die Halle sehr schnell abgewickelt wurde. „Die Folie unter dem Dach ist ja bereits verkauft und die Banden am Eisfeld sind auch weg. So eine Folie verkaufe ich doch nicht von heute auf morgen, da muss ich doch vorher schon Interessenten für haben“, meint Weide.

Die ehemalige Pächterin der Eissporthalle, Silvia Kuchnia, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Folie tatsächlich bereits abmontiert und verkauft sei. „Das ist auch unser gutes Recht, denn die Folie war unser Eigentum“, begegnet Kuchnia Vorwürfen, dass die Pächter Inventar aus der Eissporthalle entfernten, das tatsächlich dem Gebäudeeigentümer, also der WBU, gehöre. „Unser Pachtvertrag mit der WBU regelt, dass alles, was wir während der Vertragslaufzeit in der Halle erneuern, in unser Eigentum übergeht“, so Kuchnia.

Ex-Eishallen-Chef in Unna sieht „grobe Fahrlässigkeit“

Uwe Kuchnia, ehemaliger Pächter der Eissporthalle, während der Ortsbegehung am 16. Juli 2018 im Gespräch mit Vertretern der Bürgerinitiative, die dei Eissporthalle erhalten will. © UDO HENNES

Neben der Spezialfolie unter dem Dach, die Kuchnias selbst angebracht haben, gelte dies auch für die Eishockey-Banden, die mittlerweile auch abmontiert sind. „Die Banden sind an den KJEC gegangen. Die Eishockeyspieler nutzen sie nun in Bergkamen, wo sie jetzt trainieren, sagt Kuchnia und betont: „Wir haben nichts mitgenommen, was uns nicht gehört.“

Ivars Weide sieht unterdessen noch einen ganz anderen Aspekt des vermeintlich bewussten „Kaputt-Fahrens“ der Eissporthalle: „Bei der Ortsbegehung im Juli hieß es, die Leitungen innerhalb der Eisaufbereitungsanlage seien porös und es ströme unkontrolliert Ammoniak aus. Ein Stahlrohr rostet nicht von heute auf morgen durch, so etwas zieht sich über einen längeren Zeitraum hin. Das Ganze muss also schon länger kaputt gewesen sein. Und da war es grob fahrlässig, die Anlage überhaupt noch weiter zu betreiben. Dann wären unzählige Besucher einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt worden, ohne, dass sie es wissen konnten“, sagt Weide.

Ex-Eishallen-Chef in Unna sieht „grobe Fahrlässigkeit“

Die Eisaufbereitungsanlage der Eissporthalle Unna wird mit dem Kältemittel Ammoniak betrieben – ein gefährliches Gas. © UDO HENNES

Bei der Ortsbegehung der Eissporthalle durch die Bürgerinitiative und Vertreter der WBU am 16. Juli hatte der zuständige Techniker für die Eisaufbereitungsanlage vor Ort erklärt, wieso die Anlage noch größere Schäden aufweist als bis dahin bekannt war. Normalerweise wird das Ammoniak, das sich als Kühlmittel in der Anlage befindet, zu Beginn der eisfreien Zeit in den sogenannten Abscheider abgesaugt – aus Sicherheitsgründen.

Doch die Leitung zu dem Abscheider wies erhebliche Korrosionsschäden auf. Der Techniker vermutete, dass Feuchtigkeit durch die Dämmung eingedrungen und an die Stahlrohre gelangt ist, die dadurch porös wurden. Die Folge: Das Ammoniak war in der gesamten Anlage verteilt und konnte nicht abgesaugt werden. In dem Betriebsraum der Anlage war der stechende Geruch des austretenden Ammoniaks deutlich wahrzunehmen. Das gefährliche Gas wurde letztlich kontrolliert abgebrannt, um es aus der Anlage zu bekommen.

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